Endlich: Schrittweise öffnen

Fast zehn Stunden hat es diesmal gedauert – aber dann: Kurz vor Mitternacht teilt Bundeskanzlerin Angela Merkel mit, dass sich Bund und Länder auf dem Corona-Gipfel auf eine schrittweise Öffnung verständigt haben. Endlich. Denn bei frühsommerlichen Temperaturen ist der totale Lockdown ohnehin ein Witz.

Als erstes hatten zum 1. März die Friseure wieder öffnen können – und auch die Schulen und Kitas. Jetzt sollen in Abhängigkeit von den sogenannten Inzidenzwerten weitere Branchen wieder ans Netz gehen. Im Sommer könnten Open-Air-Festivals stattfinden.

 

Momentan liegen nur die beiden Bundesländer Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz unter dem Inzidenzwert von 50. Aber schon kommt Kritik an der „Öffnungshektik“ und es wird vor einer Sogwirkung auf „gute“ Landkreise gewarnt. Denn mittlerweile ist fast jede zweite Corona-Infektion auf die neue britische, hoch ansteckende Variante zurückzuführen.

Da stellt sich die Frage: Warum wird nicht mehr geimpft? Warum werden nicht die Fachärzte integriert? Und wann fällt endlich die Impfbürokratie? Dann wird’s mal wieder richtig Sommer.

117

Berlin heißt jetzt Ntabozuko. Ernsthaft. Das ist ein kleines Dorf in Südafrika, das im Zuge der Entkolonialisierung umbenannt wurde. So gibt es zwar ein Berlin weniger – aber weltweit sind es immer noch 117.

Licht aus in Schönefeld

Nach 75 Jahren ist Schluss. Am Montag sind die letzten Maschinen in Berlin-Schönefeld abgefertigt worden, das zum Schluss noch mal in Terminal 5 des neuen BER umgetauft wurde. Aber der Einbruch der Passagierzahlen hat einen Weiterbetrieb nicht mehr notwendig gemacht. Und so gehen jetzt im alten DDR-Zentralflughafen die Lichter aus.

Ein Blick über das leere Flugfeld, das seit Monaten kaum genutzt wird. Mittlerweile kann der BER auf der anderen Seite problemlos alle Flüge abfertigen.

 

Am 23. Februar endet der Betrieb, wenngleich die Flughafengesellschaft FBB betont, es sei nur vorübergehend und nur für ein Jahr. Aber das Terminal 1 im neuen Hauptgebäude bietet ausreichend Platz für die nähere Zukunft. Experten rechnen damit, dass frühestens 2025 wieder das Vorcoronaniveau in der Luftfahrt erreicht sein wird.

Die 1976 eröffnete Haupthalle des früheren Zentralflughafens ist jetzt dicht. Aber auch zuvor schon mussten streikbedingt zahlreiche Flüge ab Schönefeld gecancelt werden. Nun hat das Corona-Virus alles durcheinandergewirbelt.

 

In seinen besten Zeiten hat Berlin mehr als 35 Millionen Passagiere pro Jahr gezählt, so wie 2019. Für 2021 wird gerade mal mit zehn Millionen Passagieren gerechnet. Erst bei der doppelten Anzahl wird der Flughafen wirtschaftlich. Um Kosten zu sparen, wurde sogar die erst 2020 eröffnete Südbahn vorübergehend stillgelegt.

Auch das alte Backsteingebäude, in dem einst die DDR-Staatsgäste empfangen wurden, gehört nun der Vergangenheit an. Denn für Staatsgäste wurde für 70 Millionen Euro ein komplett neues Gebäude errichtet, das im Oktober 2020 seinen Betrieb aufnahm. Allerdings sieht der Bund es nur als Interimsgebäude an und will ein wirklich repräsentatives Gebäude errichten.

 

Der erste Liniendienst von Schönefeld begann übrigens im Mai 1946 mit der Aeroflot auf der Strecke Berlin-Moskau. 1969 wurde bei den Passagieren erstmals die Millionen-Grenze erreicht. Von hier aus flog die Interflug in Hochzeiten 53 Ziele auf vier Kontinenten an. 

Eine Kaffeerösterei zum Schmunzeln

Mit frisch gebrühtem Kaffee in den Tag zu starten, das geht derzeit nur im To-Go-Bereich wie hier am Kaiserdamm. Doch so ein Schild am Eingang macht schon einen Unterschied.

Die Rösterei gehört zur BMW-Niederlassung Berlin, steht aber auch anderen Markenbesitzern offen. Hier trifft nicht nur automobile Hochkultur auf feinste Berliner Bohnen, sondern Kaffeegenuss auch auf Wortakrobatik. Einfach süß!

Winterwunderland Müggelsee

Wann war der Müggelsee das letzte Mal zugefroren? So stark, dass Heerscharen zu Fuß über den See gehen konnten? Mit 7,3 Quadratkilometern ist er ja Berlins größter See. Und mit einer mittleren Tiefe von 4,9 Metern hat es die letzten Winter gerade mal für einen schönen Eisrand gereicht.

An diesem Valentins-Wochenende machen sich Tausende Berliner auf den Weg über ihren See. Per Schlittschuh, Ski oder auch per Fahrrad. In den vergangenen Tagen gab es ja schließlich Nachttemperaturen von minus 12 Grad und auch tagsüber kletterte das Thermometer nicht über minus vier Grad.

 

Da verzichtet die Polizei am Sonntag auf Warnungen wie noch vor ein paar Tagen, als sie per Hubschrauber zum Verlassen der Eisflächen aufforderte. Auf anderen Berliner Wasserflächen waren ja zwei Mal Menschen eingebrochen und mussten von der Feuerwehr geborgen werden.

Der Müggelsee hat mittlerweile eine Eisschicht von gut 20 Zentimeter erreicht. Nur an einigen Stellen am Seerand ist es deutlich dünner – wie hier an der Anlegestelle in Friedrichshagen. Aber die Eisgänger halten gebührenden Abstand.

 

Zuletzt wurde im Jahr 2010 über „Völkerwanderungen“ auf dem See berichtet. Über eine dicke, mit Schnee überzogene Eisschicht. Über die es Spaß macht, von Rübezahl bis nach Friedrichshagen und zurück zu wandern. Einen Wermutstropfen gab es aber damals in den Berichten: Der 28. Februar war auch der letzte Tag des Bestehens der Familienbrauerei „Berliner Bürger Bräu“.

Einmal die Brauerei auf der Hand tragen. Für eine echten Köpenickerin ist das Kürzel BBB, das noch auf dem Schornstein in Friedrichshagen prangt, so etwas wie Heimatgefühl. Schließlich war das BBB bis zur Schließung die älteste Brauerei der Stadt. Heute ist ein Teil ein Brauereimuseum.

 

Eine Winterwanderung in Berlin ist so immer auch ein Stück Stadtgeschichte. Die einstige „Familienbrauerei im Grünen“ befand sich seit den 1990er-Jahren in bayerischer Hand. Aber es nutzte nichts. 2010 war Schluss. Und die Namensrechte gingen an die Radeberger Gruppe, die das in Sachsen gebraute Bier nun zurück nach Berlin brachte. Schön ist es, dass es wenigstens noch das „Rotkehlchen“-Bier gibt. Prost!

12022021

Heute ist der 12. Februar 2021 – oder kurz 12022021. Das ist ein sogenanntes Palindrom. Also etwas, das man sowohl von vorn als auch von hinten lesen kann, so wie Anna etwa.

Der nächste Palindrom-Tag ist schon im kommenden Jahr – der 22. Februar. Aber dann ist erst einmal ganz, ganz lange Schluss.

Ein Brunnen voller Märchen

Der Friedrichshain ist einer der drei Bunkerberge Berlins. Unter 2,1 Millionen Tonnen Kriegsschutt liegen hier zwei Flak-Zwillingstürmen begraben. Oben ist zwischen dem großen Bunkerberg und dem kleinen Bunkerberg eine völlig neue Landschaft entstanden. Mit grünen Plätzen zum Spazierengehen, zum Kaffeetrinken oder einfach zum Verweilen. So wie der Märchenbrunnen.

Am Rand der großen, vierstufigen Brunnenanlage befinden sich die von Ignaz Taschner 1912/13 entworfenen Grimmschen Märchenfiguren. Unter anderem sind hier Hänsel und Gretel, der Gestiefelte Kater, Hans im Glück, Aschenbrödel, Rotkäppchen oder auch Schneewittchen mit den sieben Zwergen verewigt. Allerdings sind momentan die Märchenfiguren abgedeckt.

 

Egal, nicht nur im Sommer ist der 1913 eingeweihte Märchenbrunnen am westlichen Ausläufer des Friedrichshain ein beliebtes Ausflugsziel. Und gerade in der weißen Pracht schillert dieses Kleinod wilhelminischer Gartenarchitektur.  Die vielen Fußspuren im Schnee zeigen, dass Groß und Klein hier gerne hinkommen.

In den Bogenöffnungen befinden sich große Steinschalen mit Fontänen, die im Sommer sprudeln. Jetzt schaut nur ein steinerner Hund neugierig auf den verschneiten Märchenbrunnen, der die größte öffentliche Brunnenanlage aus der Kaiserzeit ist.

 

Übrigens ist der Teufelsberg in Westberlin der größte der 14 Trümmerberge der Stadt. Hier wurden nach dem Krieg 26 Millionen Kubikmeter Bauschutt und Trümmer zusammengekarrt und mit Sand bedeckt. Das war gut ein Drittel der gesamten Schuttmenge Berlins.

Deutschland verlängert Lockdown

Der im Januar beschlossene Lockdown in Deutschland bleibt bis zum 7. März bestehen. Darunter fallen auch Kontaktbeschränkungen und Homeoffice, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch nach einem Bund-Länder-Gipfel mitteilte. Nur im Bereich der Schulen und Kitas konnte sich die Kanzlerin mit ihren regidem Kurs nicht durchsetzen.

Es ist bereits der fünfte Corona-Gipfel im Kanzleramt. Merkel bekommt etwas Übung, auch wenn sie sich gern in Details verliert. Am 3. März soll es den nächsten Gipfel geben.

 

Jetzt ist klar: Friseure dürfen zum 1. März öffnen. Und der nächste Öffnungsschritt soll den Einzelhandel betreffen, aber auch Museen und Galerien sollen wieder Besucher empfangen können. In Abhängigkeit von den Neuinfektionen sollen weitere Öffnungen erfolgen.

„Schulen kann man nicht außen vor lassen“, sagt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller kämpferisch. Bereits im Februar soll es eine schrittweise Öffnung geben. In Berlin gilt das ab 22. Februar.


Wichtig ist auch, dass endlich die Kultur eine Beachtung gefunden hat. Denn irgendwie ist alles trist, wenn Museen und Galerien geschlossen bleiben. Das weiß auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Die Lage sei besser geworden, nur die Abstimmung sei anders, sagt er. Sein Credo:  „Zumachen erfordert Mut, öffnen erfordert Klugheit.“ Das ist gut.

Moltke und die Auftragstaktik

Von wem stammt der Spruch: „Kein Operationsplan reicht mit einiger Sicherheit über das erste Zusammentreffen mit der feindlichen Hauptmacht hinaus.“? Es ist der alte Generalfeldmarschall Moltke. Nach ihm ist eine Brücke in Berlins Mitte benannt. Moltke gilt als militärisches Genie und als Vater der Auftragstaktik.

Die Brücke aus rotem Backstein führt direkt bis zum Kanzleramt. Von da ist es ja nicht weit bis zum großen Stern, wo ein Bismarck-Denkmal steht. Bismarck und Moltke gelten bis heute als die führenden Köpfe der Reichseinigung 1871.

 

Mit ganzem Namen heißt der Feldmarschall  Helmuth Karl Bernhard von Moltke (1800 – 1891). 1858 zum Generalstabschef der preußischen Armee ernannt, war er jedoch planerisch an den drei wenig später folgenden Kriegen gegen Dänemark (1864), gegen Österreich (1866) und gegen Frankreich (1870/71) beteiligt.

Was bleibt in Erinnerung? Eiserne Gelassenheit, flexible Reaktion und große Freiheit für die Unterführer zeichneten Moltke aus. Und 1881 wurde er sogar Alterspräsident des Deutschen Reichstags. Was man bei einem Winterspaziergang nicht so alles entdecken kann.