Das doppelte Bode-Museum

Das Leben wird durch Covid heruntergefahren. Was für die sozialen Beziehungen eine Katastrophe ist, ist für die Umwelt eine kleine Erholung: kaum Verkehr, kaum Luftverschmutzung. Und so ergibt sich manch interessanter Blick auf Berlin.

Das Bode-Museum am Abend. Die Spree liegt extrem ruhig, kein einziges Schiff ist unterwegs. Und so spiegelt sich dieses Panorama perfekt im Wasser.

76.414

Und wieder ein neuer Negativ-Rekord. Das Robert-Koch-Institut meldet 76.414 neue Corona-Fälle an einem Tag. So viel wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Die „vierte Welle“ rollt.

Eine andere Zahl gehört auch dazu: Gestern ist zugleich die Zahl der Corona-Toren in Deutschland über die 100.000er-Marke geklettert. Mit 357 neuen Fällen liegt sie aktuell bei 100.476. Das ist eine ganze Kleinstadt, die verschwunden ist.

65.371

Das ist eine Verdoppelung der COVID-Zahlen in nur zwei Wochen. 65.371 Personen haben sich innerhalb eines Tages mit dem Virus infiziert, wie das RKI mitteilte.

Und auch die 7-Tage-Inzidenz ist mittlerweile den elften Tag in Folge auf einem neuen Höchststand. Aktuell liegt sie bei 336,9.

Und da wollte die künftige Ampel die „epidemische Notlage“ Ende des Monats auslaufen lassen??

Zitat des Tages

Die Gesellschaft spalten nicht die, die für Rationalität und Impfen werben, sondern die aus einem falsch verstandenen Freiheitsbegriff heraus unbedingte Akzeptanz für ihre Ignoranz fordern.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann

5.021.469

Der Corona-Virus breitet sich mit der „vierten Welle“ rasant aus. Mit aktuell 36.348 Neuinfektionen ist nunmehr auch die Fünf-Millionen-Marke bei den insgesamt registrierten Corona-Fällen in Deutschland überschritten. Das Robert-Koch-Institut gibt diesen Wert mit 5.021.469 Menschen an, die positiv auf das Virus getestet wurden.

Mit gut 56 Millionen Menschen sind auf der anderen Seite 67,5 Prozent der Bevölkerung zwei Mal geimpft. Aber dieser Wert steigt nur noch langsam.

Das Schloss mit Terrasse

Es gibt ein neues Highlight beim Berliner Schloss. Seit Oktober ist nun auch die 1.800 Quadratmeter große Dachterrasse eröffnet. Sie ist frei zugänglich und bietet aus 30 Metern Höhe einen fantastischen Blick über die Sehenswürdigkeiten in Berlins Mitte.

Neu eröffnet ist auch das Restaurant „Baret“ mit 144 Plätzen. Der Name erinnert an die französische Naturforscherin und Botanikerin Jeanne Baret (1740 – 1807).

 

Dach-Restaurant und Dach-Terrasse sind zusätzliche Baumaßnahmen gewesen. Sie wurden erst nachträglich vom Bundestag und Bundesregierung 2017 genehmigt. Architekt ist aber ebenfalls Franco Stella.

249,1

Ein Negativ-Rekord folgt dem anderen. Nachdem mit 50.196 Fällen heute ein trauriger neuer Tages-Höchstwert an Corona-Neuinfektionen gemeldet wurde, klettert auch die Sieben-Tage-Inzidenz auf den bislang nicht gekannten Wert von 249,1. Vier Tage in Folge immer neue Höchstwerte. Erst vor Kurzem wurde erstmals die Schwelle von 200 überschritten.

Zum Vergleich: Die Zahl der Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohnern betrug im Oktober gerade mal 64,4. Und selbst das war noch deutlich entfernt von der einstmals angestrebten Inzidenz von 35. Dies galt als magische Zahl für ein Ende des monatelangen Lockdowns.

Cowboys in Mitte

Sie reiten in den Sonnenaufgang. Vor dem Kino International steht eine übergroße Plastik auf der Karl-Marx-Allee, die zwei Cowboys auf ihren Pferden mit Blick gen Osten zeigt. Sie erinnern stark an die einstigen Spielfiguren aus DDR-Zeiten. Aber warum?

Auch der Name der Skulptur ist passend: „Jagd auf die Große Bärin“. Dieser erinnert sehr an den einstigen DEFA-Film „Die Söhne der großen Bärin“ von 1966 mit dem Schauspieler und DDR-Chefindianer Gojko Mitic.

 

Aber der Sinn der bunten Plastik erschließt sich nicht. Offiziell soll sie eine ironische Allegorie sein auf den in diesem Kiez einfallenden Kapitalismus und eine Gentrifizierung der Wohnblöcke. Nun ja, außer dem Kino International, vor dem diese Skulptur steht, haben alle Restaurants und Bars in der Umgebung wie das Café Moskau längst dicht gemacht.

Noch eine zweite, kleinere Plastik steht gleich in der Nähe. Sie zeigt zwei weiße Ziegelsteine über einem Feuer in den deutschen Nationalfarben. Doch auch hier herrscht zunächst Ratlosigkeit: Was soll das bedeuten?

 

„Die temporären künstlerischen Projekte beleuchten die städtebaulichen, historischen und sozialen Eigenschaften des ikonischen Bauensembles aus den 1960er Jahren aus zeitgenössischer Perspektive“, betont der Berliner Senat. Ach so. Das also wollte uns das Künstler-Duo S O N D E R (Peter Behrbohm & Anton Steenbock) sagen. Gelungen?

Zumindest ist es etwas bunter auf diesem Abschnitt der Karl-Marx-Allee geworden. Denn auch die legendäre Mokka-Milch-Eisbar neben dem Kino, die nach der Wende lange als Albert´s fungierte, wurde schließlich vor zwei Jahren geschlossen. Und die hatte es in DDR-Zeiten sogar zu einem Schlager gebracht.

33.949

Das ist ein neuer Negativ-Rekord. 33.949 neue Fälle des COVID-Virus meldet das Robert-Koch-Institut an einem einzigen Tag. So viel wie noch nie seit Beginn der Epidemie. Die befürchtete „vierte Welle“ ist definitiv da. 

Auf der anderen Seite sind mittlerweile mehr als zwei Drittel oder 66,9 Prozent der Bevölkerung zwei Mal geimpft. Das sind 55,67 Millionen Menschen. Respekt.

Da lohnt es sich, über die Rückkehr der Freiheiten für diese Gruppe ernsthaft nachzudenken. 

Blaues Gewölbe mit 6.662 Sternen

Die neue U5 ist fertig. Zwar war die 2,2 Kilometer lange Verlängerung zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor schon im Dezember 2020 nach zehnjähriger Bauzeit eingeweiht worden. Aber der Haltepunkt „Museumsinsel“ fehlte bislang. Jetzt ist auch er geschafft. Und er sieht leuchtend aus.

Vor allem die Decke mit dem Sternenhimmel ist ein Schau-Vergnügen. Sie erinnert an den Baumeister Karl Friedrich Schinkel, der eine solch ungewöhnliche Sternenkuppel der Kirche in Neuhardenberg spendierte.

 

Die Sternen-Idee hatte Schinkel durch die 1816 im Königlichen Schauspiel aufgeführte Mozart-Oper „Die Zauberflöte“, für die er die Bühnenbilder entwarf. Für den Auftritt der Königin der Nacht dachte er sich einen Sternenhimmel aus. Den nahm er gleich als Vorbild für die Kirchendecke in Neuhardenberg. Und diese Idee griff auch der Schweizer Architekt Max Dudler auf, der das neue „blaue Gewölbe“ entwarf.

Das dunkle Blau der Decke kontrastiert hervorragend mit dem BVG-Gelb der U-Bahn. Diese Farbgestaltung aller Berliner Nahverkehrsmittel im sogenannten Verkehrsgelb oder RAL 1023 geht zurück auf einen Westberliner Designer, der das schon in den 1980er-Jahren vorschlug. Sie wurde erst weit nach der Wende realisiert.

 

Wer Langeweile hat, kann ja die Sterne am Haltepunkt „Museumsinsel“ zählen: 6.662 sind es insgesamt. Es ist übrigens die 175. U-Bahn-Station in Berlin – und mit 150 Millionen Euro auch der teuerste der drei neuen Bahnhöfe der U5. Aber so bekommt die Museumsinsel, die immerhin zum Weltkulturerbe gehört, endlich auch ein unterirdisch gutes Entree.

Der Bahnhof ist für 15.000 Fahrgäste pro Tag ausgelegt. Und die wollen bewegt sein. Dafür sorgen Rolltreppen, die anders als beim BER wirklich bis nach oben reichen.

 

Insgesamt kostete die neue Strecke 540 Millionen Euro. Aber da sind auch die anderen beiden Bahnhöfe an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße (Humboldt-Universität) und Rotes Rathaus schon mit drin.