Es lebe der Burger

Vegan ist die Zukunft. Heißt es. Aber nicht in Mitte! Jahrelang hat ein kleiner Laden im Berliner Regierungsviertel gekämpft – und jetzt verloren. In nur wenigen Tagen fand sich ein potenter Nachmieter. Ein BURGER-Laden! Was zeigt uns das? Fleischklopse gehen immer.

Unten ist noch die alte Inschrift von Bio bis Vegan zu sehen. Oben prangt schon das neue Burger-Etikett. Eine kleine Beruhigung für die wenigen Stammkunden: Zwischen all den Klopsen soll es auch einen vegetarischen Burger geben. Na denn: Guten Appetit.

Übrigens: Das Wort „vegan“ kommt aus dem Englischen und ist eine Abkürzung des allseits bekannten Begriffes „vegetarian“ – hier also die Kombination aus der ersten Silbe (VEG) und letzten Silbe (AN). Dies soll sagen, dass die vegetarische Haltung konsequent zu Ende gedacht und gelebt wird.

Lügenpresse AfD

Es gibt sie, die Macht des Faktischen. Immer wieder attackiert die AfD die Medien als gemeine Lügenpresse. Und am Tag nach der Schleswig-Holstein-Wahl kommt dann doch die versammelte Parteispitze ins Haus der Bundespressekonferenz, um ihre 5,x Prozent zu feiern.

Friedlich vereint – und ohne die auf dem jüngsten Parteitag abserviertes Frauke Petry. Interessant ist die Figur links: Alice Weidel. Studierte Ökonomin mit Wohnort in der Schweiz und jahrelang bei einem chinesischen Unternehmen gearbeitet. Wie passt das zur rechtskonservativen Alternative??

Pikant: Im Foyer der BPK hatte sich auch die Spitze der Linken versammelt, die nach der AfD mit ihrer Pressekonferenz an der Reihe war, die aber lieber an der Kaffeebar sitzen blieb. Hätte nur ein Foto von Linken-Parteichef Riexinger mit AfD-Vize Gauland gegeben. Und das wäre gar nicht gut gekommen…

Bomben bringen Beifall

100 Tage Donald Trump: Nein, die Welt ist nicht eingestürzt. Nein, Mexiko ist immer noch nicht eingezäunt. Und nein, der Bruderkuss mit Putin ist auch noch nicht vollzogen. Da wäre es doch Zeit, sich entspannt zurückzulehnen. Getreu dem Motto: Lächeln und winken. Wenn wir da nicht etwas übersehen würden.

Denn da ist etwas, das selbst erfahrenen Politikprofis Sorgen bereitet, weil sie es erst in einigen Jahren für möglich hielten. Ihr Argument: Alle US-Präsidenten haben, wenn es innenpolitisch nicht so lief, die außenpolitische Karte gespielt. Und was ist besser, um das Volk hinter den Oberbefehlshaber zu bringen, als genau dieses Amt in den Fokus zu rücken.

Kurz: es droht Krieg. Nein, keiner möchte dieses Wort wirklich aussprechen. Konflikt zu sagen, ist viel besser. Oder von einer Unterstützung der Alliierten zu reden. Verbunden mit der Bemerkung, dass „alle Optionen“ auf dem Tisch liegen. Wirklich? Alle?? Überall???

Die Frage ist: Wo lässt sich zündeln, ohne gleich wieder eine ganze Region ins Chaos zu stürzen? Nahost? Fällt aus, der Irak-Krieg hält immer noch irgendwie an. Nordafrika? Keine Interessen mehr, das sollen die Europäer schön selbst ausbaden. Schwarzafrika? Da hat ja nicht mal mehr CNN ein Interesse dran.

Bleibt Asien. Ist schön groß und weit genug weg. Aber Afghanistan bringt nichts. Haben wir gesehen. Und im Südchinesischen Meer rumzupöbeln, könnte nur eine Großmacht verärgern. Das passt gerade nicht, kommt also später. Erst einmal klein beginnen. Und da bietet sich ein ganz bestimmtes Land an: Nordkorea.

Die politische Klugheit würde es jetzt gebieten, kurz in die US-Geschichte zu blicken. Und vielleicht auch mal auf die Landkarte. Denn nicht nur Südkorea hat eine Grenze zu dem Regime, sondern auch China und – kaum bekannt – ein paar Kilometer auch Russland. Aber das zu tun, ist bekanntlich nicht die Art von Trump. Er denkt in Deals und hat gerade in Syrien gelernt: Bomben sind nicht nur was für Militärs. Nein, Bomben bringen Beifall. International.

Gerade deshalb: Gönnen wir Trump einen innenpolitischen Erfolg. Nicht nur rhetorisch. Sondern von ganzem Herzen.  Im wohlverstandenen eigenem Interesse.

Fundstück des Monats

Was für eine absurde Kombination: Vor dem roten Werbeportal zu 500 Jahre Reformation steht eine hölzerne Panzersperre mit der goldenen Aufschrift „Europa“. Eine doppelte Verheißung?

Schauplatz ist das „Parlament der Bäume“ im Berliner Regierungsviertel – ein Ort, den der Konzeptkünstlers Ben Wagin errichtet hat. Dort stehen im abgezäunten Bereich weitere 18 Panzersperren aus Holz. Die Künstlerin Dafne B aus dem brandenburgischen Wüst will damit auf Denkblockaden aufmerksam machen.

Pittiplatsch, der Liebe

Es gibt Stars und es gibt Kult. Die Puppenfiguren des Deutschen Fernsehfunks, die 1959 erstmals auf der Mattscheibe erschienen, vereinen beides. Bis heute klingt Pittiplatsch mit seinem „Kannste glauben“ uns in den Ohren. Und sein „Ach du meine Nase“ hat es sogar in die Torhymne der Berliner Eisbären-Hockeymannschaft geschafft. Schön, sie nach all den Jahren so quicklebendig in Berlin wiederzusehen.

Die kleinen Fernsehlieblinge begleiten heute den Pressesprecher des Kinderhilfsvereins „Die Arche“. Das christliche Kinder- und Jugendwerk wurde 1995 von Pastor Bernd Siggelkow in Berlin-Hellersdorf gegründet. Mittlerweile ist die „Arche“ auch in anderen Bundesländern aktiv. Über 20 Jahre getreu dem Motto: Hilfe, die ankommt. Und ja, die fahrende Pressestelle ist standesgemäß in einem Trabant 601s de Luxe, Baujahr 1989, untergebracht.

Übrigens: Bis zur Einstellung des Abendgrusses im DFF 1991 wurden etwa 2.000 Sendungen mit dem Sandmännnchen gedreht. Das ist der bärtige Mann in Rot vorn auf dem Beifahrersitz.

Für Kenner noch eine Frage: Welche beiden Figuren sitzen wohl auf der anderen Seite des Pkw? Kleine Hilfestellung: Frau Igel und Onkel Uhu sind es nicht.

Das Paradies des Ostens

Neu Helgoland liegt am Müggelsee, im Südosten Berlins. Die gleichnamige Kneipe mit langer Tradition hatte zu DDR-Zeiten Kultstatus: Es gab kaum eine Band und kaum einen Sänger, der hier nicht auftrat. Und so manches Geheimkonzert in der Nähe des Kleinen Müggelsees traf auch auf ein auf ein ganz besonderes Interesse.

Seit über 100 Jahren ist das Restaurant bereits im Familienbesitz. Im großen Saal können bis zu 300 Personen den legendären „Ostrockt“-Konzerten lauschen. Ein Ausflugsziel zu jeder Jahreszeit.

In begehrter Lage direkt am Wasser gelegen, brannte das alte Holzhaus im Januar 2002 ab – aus bis heute ungeklärten Umständen. Nur diversen Spenden und Benefiz-Konzerten zahlreicher Ostrock-Größen ist es zu verdanken, dass dieses Kleinod 2002 auferstehen konnte. Am 31. Dezember 2002 wurde es wiedereröffnet.

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1920 zeigt, wie gut der Neubau sich am Original orientiert hat. Auch heute noch kommen die Ruderer gern auf eine Berliner Weiße vorbei.

Der kleine Geheimtipp am Rande der Stadt lockt mit ausgezeichneter Küche, Tanztee und Auftritten altbekannter Stars der Ostszene. Hinzu kommt eine ausgesprochen freundliche Bedienung. Neu Helgoland – im besten Sinne des Wortes „das Paradies des Ostens“.

Zitat der Woche

 

Das Einzige, was man in Saudi-Arabien als unverheiratetes Paar öffentlich machen kann, ist, gemeinsam zu einer öffentlichen Hinrichtung zu gehen. Was braucht es mehr, um dieses Land zu beschreiben?

(Berliner Runde zum Mittleren Osten)

Durchgeknallte Lebensfreude

Ein Abend in Zeiten der Prohibition: In Hinterhofspelunken wurde trotz strikter Alkohol-Verbote gern Hochprozentiges ausgeschenkt – und das Leben in furioser Weise mit bestem Südstaaten-Jazz gefeiert. Das grandiose Zirkusstück Scotch&Soda verschafft einem im Berliner „Chamäleon“ einen Hauch der Erinnerung.

Eine Band, zwei Stunden und fünf exzellente Akrobaten – der Mix macht die Magie. Handwerkliche Spitzenklasse. Oder einfach gute Unterhaltung begleitet von der Uncanny Carnival Band.

Das „Chamäleon“ ist ohne Zweifel eines der schönsten Varieté-Theater der Hauptstadt. Direkt in den Hackeschen Höfen gelegen, erinnert vieles noch an die ruhmreiche Zeit als ruchiger Ballsaal. Geschaffen wurde er 1906 vom Architekten August Endell, der damals Berlins größtes zusammenhängendes Wohnhaus schuf. Im besten Jugendstil.

August Endell entwarf den schönen Ballsaal als Teil der Neumann’schen Festsäle. Zugleich zeichnete er verantwortlich für die bunt glasierten Kacheln an den Aussenmauern des 1. Hofes der Hackeschen Höfe. Bis heute ein architektonischer Genuss.

In dem 2004/2005 originalgetreu restaurierten Saal wird in der Show wirklich alles aufgefahren, was der Neue Zirkus bieten kann: „Fulminante Akrobatik und grandiose Live-Musik in einer liebevollen, aufwändigen Inszenierung“, so heißt es im Programm. Ja. Wirklich. Kaum Zeit zum Luftholen, ein Akt folgt dem anderen. Kurzum: ein furioser Abend voll durchgeknallter Lebensfreude.

Empfehlung: Hingehen! 👍👍👍

A Black Day for Europe

Es ist ein schwarzer Tag für Europa – nur nennt ihn keiner so: der Brexit ist da. Erstmals nutzt ein EU-Mitgliedsstaat die Möglichkeit zum Austritt aus der Europäischen Union. In Brüssel übergibt der britische EU-Botschafter Sir Tim Barrow das offizielle Austrittsgesuch gemäß Artikel 50 des EU-Vertrages. Und Berlin schweigt weitgehend.

Seit dem 10. Mai 2011 weht auf dem Südostturm des Reichstages dauerhaft die Europa-Fahne. Scheinbar trotzig weht die blaue Flagge mit ihren goldenen Sternenkreis im Berliner Wind. Da diese Sterne nicht abhängig sind von der Zahl der Mitgliedstaaten, wird es bei den zwölf bleiben.

Um 13:28 Uhr bestätigt der EU-Präsident Donald Tusk den Erhalt des Scheidungsbriefes. Bis spätestens März 2019 müssen die Verhandlungen abgeschlossen und der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU vollzogen sein.

Künftig sind es also nur noch 27 EU-Mitgliedsstaaten. Denn neue Kandidaten sind nicht in Sicht. Allen politischen Beschwichtigungen zum Trotz gilt: Es ist ein schwarzer Tag für Europa!