Zahl der Woche: 12.000

Es ist ein Bau der Superlative: 260.000 Quadratmeter groß, gut 600 Pkw-Stellplätze und mehr als eine Millarde Euro teuer – der Neubau des Bundesnachrichtendienstes in Berlin Mitte. Und mit seinen gut 14.000 Fenstern und 12.000 Türen ist er größer als jedes Bundesministerium.

Bereits 2006 erfolgte der Spatenstich. Aber mehrere teils kuriose Pannen verzögerten die Fertigstellung – von verschwundenen Bauplänen über defekte Klimaanlagen bis hin zu geklauten Wasserhähnen. Aber mittlerweile sind die ersten 170 Mitarbeiter eingezogen. Weitere 3.800 sollen aus Pullach noch folgen.

Von Luder zu Luther

Als vor 500 Jahre Martin Luder seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg schlug, war zugleich ein neuer Name geboten: Luther. So nannte sich fortan der große Reformator. Dessen Argumentation gegen den Ablasshandel spaltete die Kirche und schuf zugleich ein neues Selbstverständnis der neuen Kirche. Fröhlich, frei und selbstbewusst.

Heute ist die wohl berühmteste Kirchentür der Welt aus Bronze und zeigt die 95 Thesen, die die Kirchenwelt veränderten. Aber zu Lebzeiten Luthers im 16. Jahrhundert war sie noch aus Holz – und wurde gern von den Akademikern der Wittenberger Universität als Anschlagbrett genutzt.

Gut 16 Wochen feierten die Lutheraner in diesem Jahr das halbe Jahrtausend Reformation. Und Wittenberg als geistiges Zentrum dieser weltweiten Bewegung erstrahlte im neuem Glanz. Ob Luther-Bibel, Luther-Bier oder Luther-Nudel, für jeden war etwas dabei.

Auch Playmobil ließ sich etwas einfallen – und schuf eine Luther-Figur für die Kleinen. Was keiner ahnte: Es wurde die beliebteste Figur in der Geschichte der Spielwarenfabrik aus Zirndorf bei Fürth. Mehr als eine Million Figuren wurden bereits verkauft.

Hoch spannend auch die Bibel-Ausstellung mit der größten Bibel der Welt, die nicht zu tragen ist, und der kleinsten Bibel, die, viel kleiner als ein Reiskorn und in ein Kreuz eingebettet, nicht zu sehen ist. Dazu noch jene Bibel, die mit auf dem Mond war und die Heilige Schrift aus dem Besitz von Elvis Presley. So lässt sich trefflich sagen: Die Reformation war die erste gelungene Pressekampagne der Geschichte.

Übrigens: Im Mittelalter wurden die meisten Bücher mit Schnallen verschlossen. Um so ein wertvolles Buch zu öffnen, wurde kurz mal drauf geschlagen. So entstand der noch heute gebräuchliche Ausdruck „ein Buch aufschlagen“. Damals war das noch wortwörtlich zu nehmen.

Unser Bild des großen Reformators ist wohl geprägt durch die Porträts von Lucas Cranach, dem Älteren. Der Maler, eng befreundet mit Luther, produzierte in den 1520er Jahren eine ganze Bilderserie – von Luther als Mönch über Luther mit Doktorhut bis hin zu Luther als Junker Jörg (das ist der mit dem Tintenfass auf der Eisenacher Wartburg). So kann man ohne Übertreibung sagen: Cranach gab der Reformation ein Gesicht.

Ein Date mit der Demokratie

Acht Pressekonferenzen in zwei Tagen – so was gibt es nur am Tag der Offenen Tür der Bundesregierung. Mit dabei die Bundespressekonferenz BPK, wo Vizekanzler und Außenminister Sigmar Gabriel auf spitze Fragen schon mal zurückschoss: „Wenn Deutschland die diplomatischen Beziehungen zu jedem Land abbrechen würde, das keine Demokratie ist, würden wir viel Geld im Auswärtigen Amt sparen.“

Auch die Fraktionschefin der Linken im Bundestag, Sarah Wagenknecht, kam und versuchte, in die großen Fussstapfen ihres Vorgängers Gregor Gysi zu treten. Wenn es nach dem Besucherinteresse ging: gelungen. Anschließend gab es noch ein TV-Interview.

Mehr als 6.000 Besucher kamen am Tag der Offen Tür der Bundesregierung ins Haus der Bundespressekonferenz. Ein gutes Drittel mehr als im vergangenen Jahr, was erstmals zu langen Schlangen führte und die Organisatoren schlicht überraschte.

Übrigens: Highlight des Wochenendes war zweifellos Innenminister Thomas de Maizière. Von ihm erfuhren die Gäste, dass er noch nie eine Ordnungswidrigkeit begangen habe. Kein Wunder: Seit Jahren sitzt der CDU-Politiker nicht mehr selbst hinterm Steuer, sondern wird gefahren. Da liegt die Knöllchen-Gefahr nun mal Nähe Null.

Bye, bye Big Ben

Vier Jahre lang werden wir den Glockenschlag unseres Berliner Partnerturms Big Ben in London wohl vermissen müssen. Denn am Dienstag erklang die Glocke am Westminster Palace vorerst zum letzten Mal. Die Schweigejahre werden die längsten sein seit Anbeginn des traditionellen Spiels im Jahr 1859.

Bis 2021 sollen die Restaurierungsarbeiten dauern. Aber die ersten Abgeordneten drängeln schon, dieses Symbol der britischen Demokratie schneller wieder erklingen zu lassen.

Nun ja: Wenigstens zu Silvester soll die Glocke mit dem markanten Vier-Ton schlagen.

Übrigens: Big Ben ist mit 13,5 Tonnen die größte der fünf Glocken in dem Turm, der seit 2012 offiziell Elizabeth Tower heißt. Diesen Namen erhielt er zu Ehren des diamantenen Thron-Jubiläums von Königin Elizabeth II. Aber für die Menschen bleibt er wohl auf ewig der „große Benjamin“.

Zu Besuch bei Hermann Tietz

Der jüdische Friedhof in Berlin Weißensee gilt als größter noch erhaltener jüdischer Friedhof Europas. 1880 eröffnet haben hier mehr als 115.00 Beisetzungen stattgefunden. Selbst den 2. Weltkrieg überstand er fast unbeschadet. Nur 68 Bombeneinschläge verwüsten etwa 4.000 Grabstätten.

Grabmale herausragender Persönlichkeiten sind auf dem Friedhof zu finden – etwa Hermann Tietz, der Gründer des Warenhauskonzerns (zu dem auch das spätere Kunsthaus Tacheles gehörte), Samuel Fischer, der Gründer des namhaften S. Fischer Verlags oder Berthold Kempinsky, Gründer des Weinrestaurants M. Kempinsky u. Co. oder Adolf Jandief Kaufmann, der Gründer des heutigen KaDeWe.

Zwei Dinge sind ungewöhnlich: Männlichen Besuchern ist das Betreten des Friedhofes nur mit Kopfbedeckung gestattet. Und wer die hebräischen Lebensdaten der Verstorbenen lesen kann, wird etwas irritiert sein. Denn sie werden nach dem jüdischen Kalender verzeichnet. Der begann 3.761 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung!

Gern wird die Stätte auch von Malkursen genutzt, denn das historisch und architektonisch einmalige Ensemble schärft den Blick für Details.

Übrigens: Zu Ehren der Toten wird oft ein Stein auf das Grab gelegt, Blumen sind unüblich. Erst in jüngerer Zeit kam mit den osteuropäischen Juden neben Blumen auch eine Grabbepflanzung.

Zitat des Tages

Wenn Pfeifen pfeifen, wird das nichts.

(Sachsen Ministerpräsident Stanislaw Tillich zum Trillerpfeifenkonzert von Pegida und AfD auf einer Wahlkampfveranstaltung von Angela Merkel im sächsischen Annaberg-Buchholz)

Ein Diwan in der Waldbühne

Ein Diwan der besonderen Art ist wieder am Olympiastadion zu finden: Bereits zum siebten Mal hintereinander macht das West Ost Diwan Orchester unter Leitung von Daniel Barenboim Station in Berlin. Und begeistert in der Waldbühne über 15.000 Zuschauer mit Werken von Schostakowitsch, Glinka und Tschaikowski.

Barenboims langjährige Freundin, die Pianistin Martha Argerich, spielte Schostakowitschs Klavierkonzert Nr. 1. Und im Publikum klatschte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Übrigens: Im März 2016 ernannte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon das Orchester zum „United Nations Global Advocate for Cultural Understanding“ – denn Barenboim ist es gelungen, unter der Flagge der Musik Palästinenser und Israelis friedlich zu vereinigen. Nicht zu vergessen Musiker aus Ägypten, Syrien und dem Iran.

Kinder, Kinder

Sterne fallen nicht vom Himmel, sie werden geboren – so lautet ein wunderbarer Spruch für junge Eltern. Und Berlin kann sich offensichtlich wieder über reichlich Nachwuchs freuen. Am 27.7.2017 erscheint die Berliner Morgenpost mit dieser Titelseite:

Als wenn sie es gewusst hätten: Auch wir können  einen neuen Erdenbürger begrüßen, der um 01:23 Uhr das Licht der Welt erblickte. Herzlich willkommen, Clara Sophie!

Fundstück des Monats: Karl Marx Reloaded

Ein fast lebensgroßes Portrait von Karl Marx im Monbijou-Park – genau an der Stelle, wo nachts die Obdachlosen liegen, die sich tagsüber als „Flaschenpiraten“ im Park ihre paar Cents für das nächste Billigbier zusammenkratzen.

Die provokative Aufschrift auf dem T-Shirt lautet: „I told you how to change the world“. Frei übersetzt: Ich hab’s euch ja gesagt…

Kate & William: Eine britische Charme-Offensive

Sie gelten als die Wunderwaffe der britischen Royals: Prinz William und Kate. Zusammen mit ihren Kindern George und Charlotte touren sie durch Europa, während in Brüssel die erste substanzielle Runde der Brexit-Verhandlungen läuft. In Berlin kommen derweil tausende Menschen zusammen, um die Nummer zwei der britischen Tronfolge aus nächster Nähe zu sehen. Die beiden Kinder haben derweil frei.

Standesgemäß fährt Prinz William, Herzog von Cambridge, mit einem schwarzen Jaguar vor. Eskortiert wird er von fünf Motorrädern der Berliner Polizeistaffel.

Am Brandenburger Tor lässt es sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) nicht nehmen, William und seine Frau Kate zu begrüßen. 15 Minuten sieht das Protokoll für den Gang durch das Berliner Wahrzeichen und eine Runde auf dem Pariser Platz vor. Diese Zeit wird auf die Minute eingehalten.

Immer wieder kommt Beifall auf, wenn die Royals den wartenden Menschen zuwinken. Selbst ein kleines Händeschütteln ist drin – direkt in Sichtweite der US-Botschaft. Das dürfte bei einem Besuch des amerikanischen Präsidenten definitiv nicht der Fall sein.

Ürigens: Seinen Herzogtitel erhielt William am 29. April 2011 – dem Morgen seiner Hochzeit. Hinzu kommen noch die Titel Earl of Strathearn und Baron Carrickfergus. Mit vollem Namen heißt er Seine Königliche Hoheit Prinz William Artur Philip Louis. Na denn woll’n wir mal!