50 Jahre Fernsehturm

Happy Birthday, Tele-Spargel.

Heute genau vor 50 Jahren, am 3. Oktober 1969, wurde der Fernsehturm eröffnet. Dass der Riese mit seinen 365 Metern ein paar Tage vor dem 20. Geburtstag der DDR seine Türen aufmachte, lag daran, dass parallel dazu auch der neue Alexanderplatz mit der Weltzeituhr eingeweiht wurde – und ausreichend Zeit für all die festlichen Reden sein sollte.

Übrigens: Der Neptun-Brunnen im Vordergrund stand früher vor dem Berliner Schloss. Und da sollte er auch wieder hin.

Aus der Realität soll ein Traum werden

Beständig ist nur die Veränderung. Das erlebt auch Berlins Mitte, wo an der Friedrichstraße das neue Tacheles-Areal mit 100.000 Quadratmetern Geschossfläche entsteht. Nach zweijährigen Tiefbauarbeiten kann mit einem großen Fest endlich der Grundstein gelegt werden.

Klaus Wowereit, der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, kommt und lobt das Projekt sowie seine Investoren: „Wir brauchen diese Veränderung“, sagt er mit Blick auf die 110-jährige Geschichte dieses Areals. Denn die einstige Aufbruchstimmung in der Hauptstadt sei verflogen.

 

Und es wird etwas Grosses entstehen. Auf 25.000 Quadratmetern wird es zehn Neubauten geben, darunter sieben Wohnhäuser mit 275 Wohnungen, ein Hotel, viel Einzelhandel und Büros. In spätestens dreieinhalb Jahren sollen alle Gebäude stehen, von denen das letzte erst jetzt seine Baugenehmigung erhalten hat.

Auch kommende Generationen sollen sich an die Zeit der Grundsteinlegung erinnern können. So füllen Architekten und Politiker die „Zeitkapsel“ – mit einem Foto „HOW LONG IS NOW“ (Leon Bressler), der heutigen Berliner Zeitung (Klaus Wowereit), dem aktuellen Bebauungsplan (Pierre de Meuron), dem alten Bebauungsplan (Ephraim Gothe), weiteren Visualisierungen von geplanten Gebäuden, etwas Geld und einem Plan des Untergeschosses.

 

Der gut 600 Millionen Euro teure Bau soll bis 2023 fertiggestellt sein. Zunächst aber mussten 280.000 Kubikmeter Sand aus der Grube herausgeholt werden. Das ist eine LKW-Schlange, die von Berlin bis nach München reichen würde. Jetzt entstehen hier Luxuswohnungen, gehobener Einzelhandel und viel, viel Bürofläche.

Kernstück des Areals bleibt das alte Kunsthaus Tacheles, das vom Architekten-Büro Herzog & de Meuron behutsam restauriert werden soll. Wo einst im besetzten Haus über mehr als zwei Jahrzehnte spontan Kunst entstand, soll künftig der Design-Riese Fotografiska sein Domizil aufschlagen. Noch ist das aber nicht entschieden.

 

Klar ist nur, dass die historische Fassade des Tacheles erhalten bleibt. Denn vor genau 110 Jahren eröffnete hier das von Frank Ahrens erbaute Haus als Teil der die Friedrichstrassenpassage. Diese wird in ihrer Grundform wieder aufgenommen – aber mit architektonischen Gebäuden der Neuzeit vollendet. Nicht unbedingt jedermanns Geschmack.

Das Chaos ist aufgebraucht, es war eine schöne Zeit – möchte man sagen. Denn das alte Tacheles wird nie wieder so entstehen, sagt auch der Mitbegründer des Kunsthauses, Jochen Sandig. Er schiebt als letztes noch ein Kartenset mit den UN-Nachhaltigkeitszielen in die Zeitkapsel, die dann per Kran entschwindet.

 

Zum Schluss noch mal der Architekt de Meuron: Grundsätzlich geht es bei der Planung AM TACHELES darum, ein Stück Stadt zu schaffen, welches die menschliche Bezugsgröße und eine gewisse Intimität nicht außer Acht lässt. Um gebaute Struktur, die robust und direkt ist – in ihrer konstruktiven Umsetzung wie auch in der Wahl der Materialien. Und um einen attraktiven und lebendigen Stadtraum, welcher sowohl der Gemeinschaft als auch dem Individuum dient.

Uff. Wir werden es in ein paar Jahren sehen.

Scheitern inklusive: 100 Jahre Bauhaus

Linear ist anders: Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus gegründet – und es existierte nur 14 Jahre. Aber sein Einfluss ist bis heute ungebrochen. Zum Jubiläum zeigt die Berlinische Galerie jetzt auf 1.200 Quadratmetern die stürmische Geschichte und rund 1.000 Original-Exponate unter dem Titel „Original Bauhaus“.

Am Eingang der Ausstellung weist die stilisierte 100 auf die Gründung des Hauses hin, das heute als Klassische Moderne gilt. Es führte in bis dahin unbekannter Weise Kunst und Handwerk zusammen.

 

Die Ausstellung vereint 14 Stationen, die für 14 Jahre Existenz in Weimar, Dessau und Berlin stehen. Rund 1.250 Studenten aus 29 Ländern hatten in dieser Zeit das Bauhaus erlebt – und eine schier unüberschaubare Zahl an Studien und Produkten geschaffen. Sie reichen vom Aschenbecher bis zu Stahlrohr-Möbeln, von Butterdosen bis zu ganzen Gebäuden.

Fast fünf Monate werden in der Berlinischen Galerie rund 1.000 Exponate gezeigt – darunter vieles Bekanntes wie Schlemmers Zeichnung der weltberühmten Bauhaus-Treppe. 80 Prozent stammen aus dem Bauhaus-Archiv und 20 Prozent sind Leihgaben. Einiges wird zum ersten Mal ausgestellt.

 

Oskar Schlemmer, von 1919 bis 1929 Meister der einzigartigen Schule, war unbestritten einer der wichtigsten Protagonisten des Bauhauses. „sag mir, wie du feierst und ich sag dir, wer du bist“, sagte er einst. Und dennoch feiert Berlin nun die Design-Schule mit einer „antijubilarische Grundhaltung“.

Nicht jedes Ding musste einen Zweck haben. Bauhaus heißt auch, sich mit Formen und Material zu befassen. Und Grenzen zu überschreiten.

 

Damit die Gedanken frei fließen konnten, begannen die Vorklassen mit dem Spruch: „Alles was was sie kennen, ist verboten.“ Jeder angehende Student hatte zunächst eine einfache Aufgabe zu erfüllen: „Schreiben Sie Ihren Namen rückwärts, in Spiegelschrift und auf dem Kopf.“ Klingt einfach? Einfach mal probieren…

Übrigens: Das größte Bauhaus-Ensemble befindet sich in Israel. In Tel Aviv stehen rund 800 Häuser, die ab den 1930er-Jahren von Architekten entworfen wurden, die vor den Nationalsozialisten fliehen mussten. Jetzt wird diese im Bauhaus-Stil errichtete „Weiße Stadt“ liebevoll restauriert.

Zitat des Tages

Wenn man weiß, dass die Zeit, die vor einem liegt, nicht mehr lang ist, es aber noch viel zu erledigen gibt, muss man sich frei machen. Die Vergangenheit ist sowieso vorbei, die Lehren sind gezogen. Das Einzige, was wirklich zählt, ist die Gegenwart.

(Peter Maffay, Sänger, zu seinem 70. Geburtstag)

Von der Flak-Schule zum Golfplatz

Es gibt schon skurrile Ideen: Dort wo einst die größte Flak-Schule Nazi-Deutschlands stand, soll auf der verwunschenen Halbinsel Wustrow in der Ostsee nicht nur ein neues Wohngebiet entstehen, sondern auch eine riesige Seniorenresidenz und ein neuer Golfplatz mit Meeresblick. So sehen es zumindest die Pläne der Fundus-Gruppe vor, die dieses Gebiet Ende der 1990er-Jahre kaufte.

Doch wie so oft stößt Wunsch auf Realität. Seit rund zwei Jahrzehnten hat sich auf Wustrow nichts getan. Nach wie vor ist das alte Militärgelände fest verschlossen und ein großes Schild am Eingang warnt vor Munitionsbelastung.

 

Nur mit Sondergenehmigung ist das Areal zu betreten, wo die Nationalsozialisten in den 1930er-Jahren die größte Flak-Artillerie-Schule (FAS) des Deutschen Reiches errichteten. 1936 gab es hier den ersten Besuch von Adolf Hitler, 1937 folgte bereits sein zweiter Besuch, diesmal zusammen mit Mussolini. Es war ein Vorzeigeobjekt der Nazis.

Entlang der Hindenburg-Straße wurden insgesamt 90 Wohnhäuser gebaut – mit einem Standard, der damals seinesgleichen suchte. Jede Wohnung hatte ein eigenes Bad. Es gab auf dem Gelände auch ein Kaufhaus, eine Post und eine eigene Schwimmhalle.

 

Errichtet wurden die Wohnhäuser zwischen 1934 und 1938 nach Plänen des Architekten Heinrich Tessenow, dem Lehrer von Albert  Speer. Dieser sollte als Generalbaumeister Hitlers Berlin zur deutschen Hauptstadt Germania umbauen. Heute verfallen die Häuser und die Natur erobert sich das Gelände zurück.

Nach dem Krieg übernahm die Sowjetarmee 1945 das Gelände. Schriftzügen auf Kyrillisch auf dem Asphalt oder diese russische Gasmaske zeugen noch von der militärischen Nachnutzung des 3.000 Hektar großen Gebiets. Am 18. Oktober 1993 wurden hier die letzten russischen Truppen verabschiedet.

 

Danach verfiel die Halbinsel in einen Dornröschenschlaf. Denn weder die benachbarte Kommune Rerik noch das Land Mecklenburg-Vorpommern wollten sich das munitionsbelastete Gebiet ans Bein binden. So kam die Immobilien-Gruppe Fundus für 15 Millionen D-Mark zum Zuge.

Aber die Fundus-Pläne für eine exklusive Nachnutzung scheiterten an der Kommunalvertretung. Die erklärte Wustrow kurzerhand zur autofreien Zone. Und so künden heute immer mehr zerfallene Gebäude mit vernagelten Fenstern von einer großen Idee, die auf kommunale Realität prallt.

 

Übrigens: Ganz so einfach ist eine zivile Nachnutzung nicht. Denn erst vor ein paar Jahren wurde nach einem schweren Sturm am Strand von Rerik Fundmunition entdeckt und 200.000 Kubikmeter Sand mussten gesiebt werden. Das Ergebnis: tonnenweise Munition wurden geborgen, später wurden an der Steilküste noch mal 339 Granaten gefunden. Eine Never-Ending-Story auch 74 Jahre nach Kriegsende.

Die teuerste Garderobe der Welt

Endlich steht sie: die James-Simon-Galerie. Künftig wird der weiße Beton-Riegel die vier Museen auf der Museumsinsel ober- und unterirdisch verbinden. Sechs Jahre länger als geplant hat der Bau an der Spree gedauert und eine Kostensteigerung in zweistelliger Höhe von 71 auf 134 Millionen Euro erlebt. Aber es hat sich gelohnt.

Die Galerie befindet sich an jener Stelle, wo einst Karl Friedrich Schinkel am Kupfergraben den neuen Packhof baute. Entworfen hat die neue Galerie nun der Star-Architekt David Chipperfield. Er hat die alte Architektur mit den Kolonnaden des Neuen Museums und die Freitreppe des Alten Museums aufgenommen und etwas harmonisch Neues gestaltet.

 

Vor seiner Eröffnung wurde der Bau schon mal als „teuerste Garderobe der Welt“ verspottet. Aber wer hineinschaut, wird dem nicht zustimmen. Der dreistöckige Bau aus klarem Waschbeton ist nicht einfach funktional, sondern gelungen. Davon konnten sich allein am Eröffnungs-Tag 26.000 Besucher überzeugen.

Namensgeber ist James Simon, Ende des 19. Jahrhunderts einer der reichsten Männer Berlins. Mit 24 Jahren rückte er zum Co-Chef des Textil-Unternehmens „Gebrüder Simon“ auf und konnte sich so seiner großen Leidenschaft widmen – der Archäologie. 1904 vermachte er den Berliner Museen seine erste Schenkung.

 

Das berühmteste Stück aus der Sammlung Simon ist zweifellos die Büste der Nofretete, die als „Mona Lisa der Berliner Museen“ gilt. Sie wurde 1912 bei Grabungen in Ägypten in der früheren Hauptstadt Amarna gefunden. Für Simon war klar: Nofretete, nach 3.000 Jahren im Wüstensand immer noch farbenprächtig und sehr apart, muss eine Berlinerin werden.

Nur 47 Zentimeter hoch ist die Büste der Nofretete, die bis heute Rätsel aufgibt. Sicher ist nur eines: Sie war die Hauptgemahlin von König Echnaton, der zwischen 1353 und 1336 v.Chr. in Ägypten eine Ein-Gott-Religion einführte. Aber wo liegt sie begraben?

 

James Simon war ein Kunst-Mäzen, der 1898 zu den Mitbegründern der Deutsche Orient-Gesellschaft gehörte. Der damalige Museums-Direktor Wilhelm Bode schrieb über den Sammler Simon, der nur „höherwertige Objekte“ begehrte: „Er ist ein sehr braver Mann und ein Unikum in Berlin… aber der Kunst steht er völlig fern.“ Gut, dass sich auch große Männer irren können.

Berlin trifft Tel Aviv

Berlin ist um eine Attraktion reicher: das neue AMO-Hotel by Amano in der Friedrichstrasse. Und mit einem Restaurant mit typisch israelischen Küche namens Joseph. Gleich neben dem alten Tacheles in Mitte.

Direkt am Oranienburger Tor gelegen lockt das Hotel der israelischen Kette mit 93 Zimmern. Die waren schon zur Eröffnung gleich ausgebucht. Etwas, wovon andere Hotels nur träumen. Und das, obwohl direkt nebenan die Tacheles-Baustelle einen kaum zur Ruhe kommen lässt.

 

Die Bar ist im Keller, genauso wie die Rezeption und der Frühstücksraum. Auf Strassenebene ist das Restaurant, das mit modern israel streetfood lockt. Ein Gedicht sind nicht nur die Vorspeisen, sondern das Chicken Musakhan – in Zwiebeln und Zitrone eingelegt.

Am besten passt dazu ein koscherer Weißwein – hier ein Recanati, eine Mischung aus Chardonnay und Colombard Trauben. Ein frischer Wein mit einem Bouquet weißer Blumen.

 

Kurzum: Es lohnt sich! Einfach mal so oder auch, um die Geburt des dritten Enkels zu feiern. Mit einem Gratis-Drink des einfach unglaublichen Kellners Vito. Danke.

Berlin, Rom und Klassik aus Montenegro

Einmal zwischen Himmel und Erde den Sonnenuntergang genießen. Das kann Berlin mehrfach bieten. Doch einer der schönsten Plätze ist zweifellos das Hotel de Rome am Bebelplatz in Mitte. Mit Blick auf die altehrwürdige Humboldt-Universität.

Zum Greifen nah liegt die Universität und die Juristische Fakultät, der Blick reicht aber weiter über die Staatsoper bis zur katholischen Hedwigs-Kathedrale. Von unten dringt von dort etwas Musik herauf. Es ist ja auch wieder Fête de la Music.

 

Doch auch auf dem Hoteldach gibt es etwas besonderes zu sehen : ein Foto-Shooting mit dem wohl berühmtesten osteuropäischen Gitarristen für klassische Musik. Dafür drückt das Personal auch mal ein Auge zu, wenn sich der Künstler direkt an den Dachrand setzt.

Er hat die klassische Gitarre wieder ins Rampenlicht gebracht: Miloš. Eigentlich heißt der 36-Jährige Miloš Karadaglić, aber seinen montenegrinischen Nachnamen kann sich kaum jemand merken. Bevor er an der Royal Academy of Music studierte, gab er schon mit 14 sein erstes Konzert!

 

Dort, wo die bunten Sonnenschirme leuchten, befindet sich die herrliche Dachterrasse. Sie ist auch für „normale“ Gäste geöffnet. Einfach ins Hotel gehen und mit einer Chip-Karte dann in die 4. Etage fahren.

 

Übrigens: Das zwischen 1887 und 1889 erbaute Gebäude im Stil der italienischen Renaissance war bis 1945 Hauptsitz der Dresdner Bank und später der Staatsbank der DDR. Heute soll der Name des 2006 eröffneten Luxushotels an das Grand Hotel de Rome erinnern, das bis zu seinem Abriss 1910 ganz in der Nähe auf dem Boulevard Unter den Linden stand.

He? Hallo??

Wenn ein Bild mehr sagt als 1.000 Worte – da steht manch einer doch glatt verloren davor und fragt sich: Was zum Kuckuck ist damit gemeint?

Deutsche Sprache, schwere Sprache. So ächzten unsere Vorväter schon. Aber muss die neue Arbeitswelt gleich mit einem solchen Denglish-Mischmasch einhergehen? Also Leute: Kollaboration muss auch agil sein und immer die Scrum-Methode berücksichtigen, sonst bleibt der multiple Benefit entlang der gesamten Customer Journey aus…

Zitat

Lasst sie doch mal alle Freitag demonstrieren. Wenn das zur Dauereinrichtung wird, machen wir halt dem Samstag wieder schulpflichtig.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) zu Aktionen junger Menschen, die für den Klimaschutz auch die Schule schwänzen