Von der Flak-Schule zum Golfplatz

Es gibt schon skurrile Ideen: Dort wo einst die größte Flak-Schule Nazi-Deutschlands stand, soll auf der verwunschenen Halbinsel Wustrow in der Ostsee nicht nur ein neues Wohngebiet entstehen, sondern auch eine riesige Seniorenresidenz und ein neuer Golfplatz mit Meeresblick. So sehen es zumindest die Pläne der Fundus-Gruppe vor, die dieses Gebiet Ende der 1990er-Jahre kaufte.

Doch wie so oft stößt Wunsch auf Realität. Seit rund zwei Jahrzehnten hat sich auf Wustrow nichts getan. Nach wie vor ist das alte Militärgelände fest verschlossen und ein großes Schild am Eingang warnt vor Munitionsbelastung.

 

Nur mit Sondergenehmigung ist das Areal zu betreten, wo die Nationalsozialisten in den 1930er-Jahren die größte Flak-Artillerie-Schule (FAS) des Deutschen Reiches errichteten. 1936 gab es hier den ersten Besuch von Adolf Hitler, 1937 folgte bereits sein zweiter Besuch, diesmal zusammen mit Mussolini. Es war ein Vorzeigeobjekt der Nazis.

Entlang der Hindenburg-Straße wurden insgesamt 90 Wohnhäuser gebaut – mit einem Standard, der damals seinesgleichen suchte. Jede Wohnung hatte ein eigenes Bad. Es gab auf dem Gelände auch ein Kaufhaus, eine Post und eine eigene Schwimmhalle.

 

Errichtet wurden die Wohnhäuser zwischen 1934 und 1938 nach Plänen des Architekten Heinrich Tessenow, dem Lehrer von Albert  Speer. Dieser sollte als Generalbaumeister Hitlers Berlin zur deutschen Hauptstadt Germania umbauen. Heute verfallen die Häuser und die Natur erobert sich das Gelände zurück.

Nach dem Krieg übernahm die Sowjetarmee 1945 das Gelände. Schriftzügen auf Kyrillisch auf dem Asphalt oder diese russische Gasmaske zeugen noch von der militärischen Nachnutzung des 3.000 Hektar großen Gebiets. Am 18. Oktober 1993 wurden hier die letzten russischen Truppen verabschiedet.

 

Danach verfiel die Halbinsel in einen Dornröschenschlaf. Denn weder die benachbarte Kommune Rerik noch das Land Mecklenburg-Vorpommern wollten sich das munitionsbelastete Gebiet ans Bein binden. So kam die Immobilien-Gruppe Fundus für 15 Millionen D-Mark zum Zuge.

Aber die Fundus-Pläne für eine exklusive Nachnutzung scheiterten an der Kommunalvertretung. Die erklärte Wustrow kurzerhand zur autofreien Zone. Und so künden heute immer mehr zerfallene Gebäude mit vernagelten Fenstern von einer großen Idee, die auf kommunale Realität prallt.

 

Übrigens: Ganz so einfach ist eine zivile Nachnutzung nicht. Denn erst vor ein paar Jahren wurde nach einem schweren Sturm am Strand von Rerik Fundmunition entdeckt und 200.000 Kubikmeter Sand mussten gesiebt werden. Das Ergebnis: tonnenweise Munition wurden geborgen, später wurden an der Steilküste noch mal 339 Granaten gefunden. Eine Never-Ending-Story auch 74 Jahre nach Kriegsende.

Die teuerste Garderobe der Welt

Endlich steht sie: die James-Simon-Galerie. Künftig wird der weiße Beton-Riegel die vier Museen auf der Museumsinsel ober- und unterirdisch verbinden. Sechs Jahre länger als geplant hat der Bau an der Spree gedauert und eine Kostensteigerung in zweistelliger Höhe von 71 auf 134 Millionen Euro erlebt. Aber es hat sich gelohnt.

Die Galerie befindet sich an jener Stelle, wo einst Karl Friedrich Schinkel am Kupfergraben den neuen Packhof baute. Entworfen hat die neue Galerie nun der Star-Architekt David Chipperfield. Er hat die alte Architektur mit den Kolonnaden des Neuen Museums und die Freitreppe des Alten Museums aufgenommen und etwas harmonisch Neues gestaltet.

 

Vor seiner Eröffnung wurde der Bau schon mal als „teuerste Garderobe der Welt“ verspottet. Aber wer hineinschaut, wird dem nicht zustimmen. Der dreistöckige Bau aus klarem Waschbeton ist nicht einfach funktional, sondern gelungen. Davon konnten sich allein am Eröffnungs-Tag 26.000 Besucher überzeugen.

Namensgeber ist James Simon, Ende des 19. Jahrhunderts einer der reichsten Männer Berlins. Mit 24 Jahren rückte er zum Co-Chef des Textil-Unternehmens „Gebrüder Simon“ auf und konnte sich so seiner großen Leidenschaft widmen – der Archäologie. 1904 vermachte er den Berliner Museen seine erste Schenkung.

 

Das berühmteste Stück aus der Sammlung Simon ist zweifellos die Büste der Nofretete, die als „Mona Lisa der Berliner Museen“ gilt. Sie wurde 1912 bei Grabungen in Ägypten in der früheren Hauptstadt Amarna gefunden. Für Simon war klar: Nofretete, nach 3.000 Jahren im Wüstensand immer noch farbenprächtig und sehr apart, muss eine Berlinerin werden.

Nur 47 Zentimeter hoch ist die Büste der Nofretete, die bis heute Rätsel aufgibt. Sicher ist nur eines: Sie war die Hauptgemahlin von König Echnaton, der zwischen 1353 und 1336 v.Chr. in Ägypten eine Ein-Gott-Religion einführte. Aber wo liegt sie begraben?

 

James Simon war ein Kunst-Mäzen, der 1898 zu den Mitbegründern der Deutsche Orient-Gesellschaft gehörte. Der damalige Museums-Direktor Wilhelm Bode schrieb über den Sammler Simon, der nur „höherwertige Objekte“ begehrte: „Er ist ein sehr braver Mann und ein Unikum in Berlin… aber der Kunst steht er völlig fern.“ Gut, dass sich auch große Männer irren können.

Berlin trifft Tel Aviv

Berlin ist um eine Attraktion reicher: das neue AMO-Hotel by Amano in der Friedrichstrasse. Und mit einem Restaurant mit typisch israelischen Küche namens Joseph. Gleich neben dem alten Tacheles in Mitte.

Direkt am Oranienburger Tor gelegen lockt das Hotel der israelischen Kette mit 93 Zimmern. Die waren schon zur Eröffnung gleich ausgebucht. Etwas, wovon andere Hotels nur träumen. Und das, obwohl direkt nebenan die Tacheles-Baustelle einen kaum zur Ruhe kommen lässt.

 

Die Bar ist im Keller, genauso wie die Rezeption und der Frühstücksraum. Auf Strassenebene ist das Restaurant, das mit modern israel streetfood lockt. Ein Gedicht sind nicht nur die Vorspeisen, sondern das Chicken Musakhan – in Zwiebeln und Zitrone eingelegt.

Am besten passt dazu ein koscherer Weißwein – hier ein Recanati, eine Mischung aus Chardonnay und Colombard Trauben. Ein frischer Wein mit einem Bouquet weißer Blumen.

 

Kurzum: Es lohnt sich! Einfach mal so oder auch, um die Geburt des dritten Enkels zu feiern. Mit einem Gratis-Drink des einfach unglaublichen Kellners Vito. Danke.

Berlin, Rom und Klassik aus Montenegro

Einmal zwischen Himmel und Erde den Sonnenuntergang genießen. Das kann Berlin mehrfach bieten. Doch einer der schönsten Plätze ist zweifellos das Hotel de Rome am Bebelplatz in Mitte. Mit Blick auf die altehrwürdige Humboldt-Universität.

Zum Greifen nah liegt die Universität und die Juristische Fakultät, der Blick reicht aber weiter über die Staatsoper bis zur katholischen Hedwigs-Kathedrale. Von unten dringt von dort etwas Musik herauf. Es ist ja auch wieder Fête de la Music.

 

Doch auch auf dem Hoteldach gibt es etwas besonderes zu sehen : ein Foto-Shooting mit dem wohl berühmtesten osteuropäischen Gitarristen für klassische Musik. Dafür drückt das Personal auch mal ein Auge zu, wenn sich der Künstler direkt an den Dachrand setzt.

Er hat die klassische Gitarre wieder ins Rampenlicht gebracht: Miloš. Eigentlich heißt der 36-Jährige Miloš Karadaglić, aber seinen montenegrinischen Nachnamen kann sich kaum jemand merken. Bevor er an der Royal Academy of Music studierte, gab er schon mit 14 sein erstes Konzert!

 

Dort, wo die bunten Sonnenschirme leuchten, befindet sich die herrliche Dachterrasse. Sie ist auch für „normale“ Gäste geöffnet. Einfach ins Hotel gehen und mit einer Chip-Karte dann in die 4. Etage fahren.

 

Übrigens: Das zwischen 1887 und 1889 erbaute Gebäude im Stil der italienischen Renaissance war bis 1945 Hauptsitz der Dresdner Bank und später der Staatsbank der DDR. Heute soll der Name des 2006 eröffneten Luxushotels an das Grand Hotel de Rome erinnern, das bis zu seinem Abriss 1910 ganz in der Nähe auf dem Boulevard Unter den Linden stand.

He? Hallo??

Wenn ein Bild mehr sagt als 1.000 Worte – da steht manch einer doch glatt verloren davor und fragt sich: Was zum Kuckuck ist damit gemeint?

Deutsche Sprache, schwere Sprache. So ächzten unsere Vorväter schon. Aber muss die neue Arbeitswelt gleich mit einem solchen Denglish-Mischmasch einhergehen? Also Leute: Kollaboration muss auch agil sein und immer die Scrum-Methode berücksichtigen, sonst bleibt der multiple Benefit entlang der gesamten Customer Journey aus…

Zitat

Lasst sie doch mal alle Freitag demonstrieren. Wenn das zur Dauereinrichtung wird, machen wir halt dem Samstag wieder schulpflichtig.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) zu Aktionen junger Menschen, die für den Klimaschutz auch die Schule schwänzen

Jeder nur ein Kreuz

Manch einem muss man das erklären: „Jeder hat nur ein Kreuz“. Mit diesem Hinweis wird der Bürger am Sonntag in vielen Wahllokalen begrüßt, wenn er zur Europawahl an die Urnen schreitet. 40 Parteien umfasst der Wahlzettel. Und es gilt: nur ein Kreuz.

In Deutschland sind 64 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, über die 96 Kandidaten für das Europaparlament zu entscheiden. Ein Blick in ein Wahllokal zeigt, dass das Interesse dieses Mal offenbar größer ist als vor 5 Jahren.

 

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Sagt schon ein altes Sprichwort. Und der Blick auf den Wahlzettel 2019 scheint das zu bestätigen: Er umfasst nicht nur 40 Parteien, sondern ist beeindruckende 94 Zentimeter lang.

Dabei unterscheiden sich die Wahlzettel von Bundesland zu Bundesland. Wer an der Spitze steht, entscheidet das Ergebnis der letzten Europawahl auf Landesebene. Und damit man in der Wahlkabine nicht durcheinander kommt, steht ganz oben noch mal der Hinweis: Nur eine Stimme! Also nur ein Kreuz.

 

Interessant ist, dass in nur vier Bundesländern die SPD die Liste anführt – neben Berlin sind das Hamburg, Bremen und Brandenburg. In elf Bundesländern steht die CDU ganz oben. Und in Bayern natürlich die CSU. Gespannt dürften diesmal vor allem die Grünen sein, die es immerhin in zehn Bundesländern schon auf Platz drei der Liste geschafft haben.

Jede Stimme zählt. Anders als zur Bundestagswahl gibt es bei der Europawahl keine 5-Prozent-Hürde. Aber manchmal scheint es so, dass die Wahlverantwortlichen nicht so recht wissen, was sie bei der Plakatierung machen – wenn es stimmt, dass ein Bild mehr als tausend Worte sagt. Dieses Wahllokal im Stimmbezirk 108 ist übrigens das von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Safety first – Hahns Hoffnung

Berlin feiert dieser Tage 70 Jahre Luftbrücke. Mit mehr als 500.000 Flügen wurde damals West-Berlin aus der Luft versorgt. Es galt als die erste Konfrontation im Kalten Krieg. Heute erinnert so manch verlassenes Bauwerk – so wie hier in Frankfurt-Hahn – an diese Zeit.

Dutzende dieser Bunker sind heute noch am Hahn zu sehen. Einst dienten sie einer F-16-Staffel der US-Luftwaffe als Schutz. Heute sind sie nicht mehr in Betrieb – und eigentlich auch nicht mehr nutzbar.

 

Der Hahn war einst die größte US-Basis für Lufttransporte in Deutschland. Nach dem Abzug der Amerikaner übernahm Rheinland-Pfalz die Airbase, die immerhin über eine Piste von 3.500 Metern Länge verfügt. Lang genug, um jedes Verkehrsflugzeug der Welt landen zu lassen.

Sogar ein neuer Tower wurde dem Airport spendiert. Nun gut, fast. Der alte Tower wurde vielmehr für fünf Millionen Euro komplett umgestaltet und erhielt ein neues Stahlskelett. Das wurde mit einer Plane gut verdeckt.

 

Aber anders als die Luftbrücke ging diese Geschichte am Hahn nicht so gut aus. Nach Millionen-Verlusten stieg das Land Rheinland-Pfalz  aus und verkaufte seine Anteile an den chinesischen Investor HNA, der heute Mehrheitsgesellschafter ist. Interessant: Die USA nutzen den Flughafen aber weiterhin für Ihre Transporte – vor allem in den Mittleren Osten.

Eine der Fluggesellschaften, die regelmäßig den Hahn anfliegen, ist Atlas Air. Die amerikanische Airline ist bekannt dafür, dass sie viel für die US-Regierung in alle Welt unterwegs ist.

 

Zuweilen kommen zum Hahn heute aber auch russische oder aserbaidschanische Transport-Maschinen. Das sieht dann nach einer großen Völkerverständigung aus. Allerdings  reicht es nicht, um den Flughafen profitabel zu machen. Denn die großen Hoffnungen, als 1999 die irische Fluggesellschaft Ryanair den Hahn zu ihrer Deutschland-Basis machte, haben sich nicht erfüllt. Es fehlen einfach ganz viele tägliche Flüge mit Passagier und Fracht.

Übrigens: Die Berliner Luftbrücke kam an ihrem besten Tag auf 1.398 Flüge. Und die höchste Frachtrate an einem Tag betrug 12.940 Tonnen.

Ohne Kommentar

Nach Auskunft der FBB bestehen keine nicht behebbaren Mängel.

Die Bundesregierung in der BT-Drucksache 19/8715 auf die Frage zur Gefährdung des geplanten Fertigstellungstermins für den Berliner Großflughafen BER im Oktober 2020.

Freudsche Fehlleistung?

Es ist ein junges Format: das Basecamp. Eine lockere Gesprächs-Runde zu wichtigen Themen. Diesmal zur Europawahl. Mit dabei: die SPD-Politikerin Barley. Erstaunt schaut sie nach oben, was da gerade eingeblendet wird.

Und viel interessanter ist noch, was darüber angezeigt wird. Aber das ist purer Zufall. Denn in der Telefonica-Repräsentanz in Berlin Mitte werden auf großen Displays die aktuellen Suchwörter im Netz angezeigt. Und dieses sollte wohl heißen: Future Mobility. Passte nicht rauf. Aber was für eine Kombination.