Kreischalarm

Ausnahmezustand am Roten Teppich: Johnny Depp wird am Freitagabend im Friedrichstadt-Palast erwartet. Dort präsentiert er seinen neuen Film Minamata. Ein paar Fans begrüßen den Star auf ihre ganz persönliche Weise.

Berlin im Hollywood-Fieber – auch das ist die 70. Berlinale. Stargast des zweiten Berlinale-Tages ist Johnny Depp, das wohl bekannteste Gesucht aus der fünfteiligen Piratenreihe „Pirates of the Carribean“. In Berlin lässt er die Fans und Fotografen erst einmal rund 45 Minuten warten. Aber dann ist kein Halten mehr.

Übrigens: In Hollywood glänzt seit 1999 einer der 2.700 Sterne auf dem Walk of Fame für den Ausnahmeschauspieler.

Get the Brexit done

Jetzt ist es Realität: Nach 47 Jahren ist Großbritannien nicht mehr Mitglied der Europäischen Union. Die drittgrößte Volkswirtschaft Europas geht ihren eigenen Weg. Doch das ganz tiefe Entsetzen kommt nicht auf. Dazu dauert das Trauerspiel mit dreieinhalb Jahren schon zu lange.

Am 31. Januar kurz vor Mitternacht kommen spontan rund 2.000 Menschen zum Brandenburger Tor. Gemeinsam singen sie die Europa-Hymne. Auch ein paar EU-Flaggen sind zu sehen. Eine gewisse Traurigkeit liegt über allem.

 

Tagsüber ist in Berlin der britische EU-Austritt zwar immer wieder ein Thema, aber keine Spitzennachricht. Auch spontane Demonstrationen vor der britischen Botschaft, die direkt am Brandenburger Tor liegt, bleiben aus. Die zur Verstärkung herangezogenen Sicherheitskräfte haben nichts zu tun.

Ein einsames Polizeiauto steht vor der Botschaft. Ob die „grüne Minna“ wirklich abgeschreckt hat, ist unklar. Aber so ruhig wie an diesem Freitag war es in der Straße schon lange nicht mehr.

 

Ruhig geworden ist es auch um die wenig rühmliche Zeit der britischen EU-Mitgliedschaft. Gern wird vergessen, dass Großbritannien über lange  Zeit hinweg wichtige Entscheidungen in der Europäischen Union behindert hat. Selbst da, wo London unbestritten Erfahrungen hatte wie in der Sicherheitspolitik.

Die Brexit-Nacht ist eine gute Gelegenheit für ein gutes Guinness. In der irischen Kneipe spielt dieses Ereignis keine Rolle. Nur eine Uhr zeigt die Zeit auf der Insel an – eine Stunde vor der mitteleuropäischen Zeit. Da ist es fünf vor zwölf.

 

92 Millionen

92 Millionen Hektoliter haben die deutschen Bierhersteller 2019 abgesetzt. Klingt viel, ist aber letztendlich ein Viertel weniger als 1989, als die Statistik nur Westdeutschland erfasste. Der Grund: die älter werdende Gesellschaft. Bier, so die Experten, verschwindet aus unserem Alltag.

Der Trend geht zu exotischen Getränken wie Aperol Spritz oder Moscow Mule. Lediglich Angebote kleinerer Brauereien mit kleineren Maßen stemmen sich gegen den Trend. Aber auch sie müssen sich immer neue Sorten einfallen lassen. Interessant: der Klassiker Pils ist heute nur noch für rund die Hälfte der Biertrinker in Deutschland die beliebteste Sorte.

 

Fazit: Das „Feierabendbier“ scheint ausgedient zu haben. Irgendwie schade.

Schinkel strahlt wieder

Knapp ein Jahrzehnt war die Friedrichswerdersche Kirche in Berlins Mitte geschlossen. Denn seit den Bauarbeiten in der Nachbarschaft rieselte der Putz, zeigten sich immer größere Risse in dem von Schinkel entworfenen Bauwerk. Für ein paar Stunden öffnete das Museum nun seine Pforten.

Entworfen wurde die Kirche, die von 1824 bis 1830 im neogotischen Stil erbaut wurde, von Karl Friedrich Schinkel. Anlässlich seines 200. Geburtstages wurde das Backsteingebäude von 1979 bis 1986 umfangreich saniert.

 

Schinkel wollte ursprünglich eine große gotische Kirche als Symbol für die Utopie „ein Kaiser gleich ein Land“ errichten. Als in Wien nach der Niederlage Napoleons 1815 die Neuordnung Europas beschlossen wurde, verzichtete er auf die architektonische Formel „Gotik gleich ein geeintes Reich“.

So ist die Aussenfassade gotisch, aber auch klassizistisch und der Innenraum stark in Anlehnung an französische Revolution gestaltet: Kubus, Quadrat, Kreis, Dreieck bestimmte die Architektur- genauso wie Meter und nicht mehr Elle. Ähnlich wie das zeitgleich erbaute Alte Museum, das aus zwei Quadraten besteht mit einer Kuppel im inneren als idealer Kreis.

 

Auf Empfehlung Kronprinz erstellte Schinkel zunächst vier Entwürfe, einer davon mit sechs Türmen. Aber letztendlich war es eine Geldfrage. Genommen wurde der billigste Entwurf mit zwei Türmen. Und gearbeitet wurde nicht mit Sandstein, sondern mit Putz, der so bemalt wurde.

Backstein hält viel aus. Aber der Märkische Sand ist tückisch: so verursachten die Neubauten von Luxusappartements zu beiden Seiten der Kirche massive Schäden, wie dieses Foto aus der kleinen Ausstellung zum ersten Tag der offenen Tür zeigt.

 

Nach ihrer Fertigstellung war die Kirche zunächst als Sakralbau von der deutschen und der französischen Gemeinde genutzt worden. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde sie 1987 nach umfangreicher Sanierung zu DDR-Zeiten als Schinkelmuseum wiedereröffnet.

Hinter der Kirche ist die markante Fassade des DDR-Außenministeriums zu sehen. Aus dem Schinkelmuseum wurde nach einer neuerlichen Restaurierung von 1997 bis 2000 das Museum für Skulpturen des frühen 19. Jahrhunderts.

 

Im Januar 2020 war die einstige Kirche erstmals wieder seit 2012 zu besichtigen. Ab September soll hier wieder eine Skulpturenausstellung einziehen. Gezeigt werden dann Werke von der Schinkel-Zeit bis zum Kaiserreich, darunter von Johann Gottfried Schadow, Christian Daniel Rauch und Friedrich Tieck.

Vincent: Meister der Pinselhiebe

Nur gut acht Jahre dauert das Schaffen des Malers Vincent van Gogh. Sein Erstling war 1882 ein Stillleben. Jetzt zeigt das Potsdamer Museum Barberini 27 Werke von ihm im Original. Noch nie zuvor gab es eine Ausstellung nur zu diesem Thema.

Der Andrang im Barberini ist groß und nur selten findet man einen Platz, um die Kunstwerke in Ruhe zu genießen. Aber die Tiefe erschließt sich erst mit den Erläuterungen im Audio-Guide. Dass van Gogh beispielsweise sehr auf die Komplementärfarben geachtet hat, weil dadurch die Leuchtkraft besser zur Geltung kommt. Das Ergebnis überzeugt: ein kleiner Farbenrausch.

 

Zwei Monate malt van Gogh im Jahr 1888 zusammen im französischen Arles mit dem Maler Paul Gaughin. Als er sich bei einem heftigen Streit mit Gaughin Teile seines linken Ohres abschneidet, sind die Pläne für eine gemeinsame Künstlerkolonie dort beendet. Im Mai 1889 lässt sich van Gogh in eine psychiatrische Anstalt einweisen. Hier entstehen innerhalb eines Jahres 140 Werke.

Dieses Stillleben von 1889 liest sich wie ein Stück Autobiografie. Die Weinflasche, Symbol des starken Alkoholkonsums, ist an den Rand verbannt. Und in der anderen Ecke erinnert der blaue Kerzenhalter an den einst befreundeten Maler Gaughin. Der Brief kommt von seinem Bruder Theo, der ihn Zeit seines Lebens unterstützte.

 

Am 27. Juli 1890 geht van Gogh in Auvers nördlich von Paris auf ein Feld und schießt sich mit einem Revolver in die Brust. Zwei Tage später stirbt er an den Folgen.

Sein letztes großes Werk ist das Stillleben „Blühende Kastanienzweige“. Es entstand Ende Mai 1890 in Auvers-sur-Oise. Nichts daran ist mehr still. Es ist sein expressionistischstes Stillleben überhaupt – als führten die Farben ein Eigenleben.

 

Übrigens: Es ist eine Legende, dass van Gogh zu Lebzeiten nur ein einziges Werk verkaufte. Seine „lebhaft durchfurchte Farbmaterie“ machte ihn – den „Meister der Pinselhiebe“ – vielmehr zum Wegbereiter des Expressionismus des 20. Jahrhunderts.

Köln und Kölsch und etwas mehr

Vor zwei Jahrzehnten hat er noch in Bonn demonstriert, jetzt ist Friedl Dautzenburg eine Berliner Institution. Und mit ihm die Ständige Vertretung am Schiffbauerdamm in Mitte. Der Zufluchtsort für alle an der Spree gestrandeten Kölner – mit echtem Kölsch und gutem Sauerbraten.

Dautzenburgs StäV
Seit Kurzem ist das Angebot der StäV um eine Attraktion reicher: den roten Zeitungskasten direkt vor der Tür. Hier können alle Kölner Asylsuchende mit dem Kölner „Express“ ein Stück Heimat nach Hause nehmen. Und die Auflage der Boulevardzeitung über 80.000 halten.

 

5.144

Genau 5.144 Tage ist Bundeskanzlerin Angela Merkel heute im Amt – und damit ein Tag länger als Konrad Adenauer, der erste CDU-Kanzler. Insgesamt 89 Länder hat sie bereits in ihrer Amtszeit besucht.

Sitz der Bundeskanzlerin ist das Bundeskanzleramt in Berlin Mitte. Um jedoch Helmut Kohl einzuholen, der es als Kanzler auf 5.870 Tage brachte, müsste Merkel noch weitere 726 Tage im Amt bleiben.

Weihnachtszauber in Mitte

Er gilt als der schönste Weihnachtsmarkt in Berlin: der Weihnachtsmarkt auf dem Gendarmenmarkt. Jährlich zieht er bis zu 800.000 Besucher an.  Es ist auch ein einmaliges Ensemble zwischen Deutschen Dom und Französischen Dom.

Die Buden sind Zelte – mit einem leuchtenden Stern obendrauf. Und der Nepp ist hier Handwerkskunst. So kommt jeder in Weihnachtsstimmung und lässt sich für eine Weile gern verzaubern.

 

Am Fuße des von Schinkel entworfenen Schauspielhauses ist auch eine Bühne aufgebaut, von der nicht nur die typischen Weihnachtslieder erklingen. Ab und zu wird auch die Eismaschine angeworfen, die Schneeflocken in den nächtlichen Himmel zaubert.

Für Stimmung am Boden sorgt der US-amerikanische Sänger und Entertainer Keith Tynes. Er ist in der Welt von Soul, Gospel und Jazz unterwegs. Das lässt er die Zuhörer im besten Sinne des Wortes spüren. Und macht sich den Spaß, auch mal das Publikum zu fotografieren.

 

Aber ein Besuch des Weihnachtsmarktes ohne einen Glühwein – das geht gar nicht. Die Tradition des gewürzten Weines geht zurück bis auf die Römer, die schon vor der Zeitenwende Rezepte für Glühwein aufgeschrieben haben. Die wichtigsten Zutaten sind Zimt, Lorbeer, Sternanis, Koriander und Thymian.

Jedes Jahr wird ein neuer Becher designt. Da diese Becher traditionell gern als Souvenir mitgenommen werden, ist in diesem Jahr der Pfand auf drei Euro hochgesetzt worden.

 

Übrigens: Glühwein ist weinrechtlich ein „aromatisiertes weinhaltiges Getränk“. Das heißt, es darf nur gesüßt und gewürzt werden. Der Zusatz von Alkohol ist verboten. Also Glühwein mit Schuss…

Politisch korrekt: Bundespresseball ist klimaneutral

Der rote Teppich ist wieder ausgerollt: Rund 2.300 Gäste kamen zum 69. Bundespresseball nach Berlin. Der Weg ins Edel-Hotel Adlon war aber nicht einfach nur ein schöner Teppich, sondern er bestand aus recyceltem Meeresmüll wie Plastik und Fischernetze.

Adlon Bundespresseball
Die Schlangen am Eingang zum Adlon hatten einen Grund: Jeder Gast wurde am Eingang fotografiert – dafür gab es leider keine Ballzeitung mehr. Sie war in den vergangenen Jahren vor allem wegen der Gästeliste spannend. Und wegen der Tipps zu Essen und Trinken.

 

Rund 100 Starköche versüßten den Abend – mit 4.000 Austern und einem dicht bedrängten Sushi-Buffet. Und um Mitternacht wurden wieder 1.500 Portionen Berliner Currywurst serviert.

Champagner im Überfluss
Überall im Adlon lockte etwas zu essen, und Tausende Flaschen Champagner warteten auf durstige Kehlen. Aber um 4:30 Uhr war die letzte Flasche Pomery geleert. Danach mussten die Ballgäste auf Sekt und Selters umsteigen.

 

Weit nach Mitternacht hatte sich der große Ballsaal geleert, wo die Bigband der Bundeswehr aufspielte. Zuvor hatte noch ein polnische Journalist den Preis der Bundespressekonferenz bekommen. Mit der Bemerkung, er habe doch nur seinen Job gemacht: neutral und sachlich zu berichten. Aber das ist in Polen heute eher selten.

Mercedes sponsort
In der zweiten Etage zog die Mercedes-Lounge in den frühen Morgenstunden alle Tanzbegeisterte an. Und mit den Sängern auf Tuchfühlung ging es gleich doppelt so gut mit dem Song „Ein Hoch auf uns….“

 

Derweil hatten vor den Türen den ganzen Tag über die Klima-Aktivisten bei „Fridays for Future“ demonstriert. Der eindringliche Ruf kam offensichtlich an. So spendete die Bundespressekonferenz in diesem Jahr die Gage für die richtig gute Bigband für mehrere Klimaschutzprojekte in Indien und Peru.

Tanzen mit Steinmeier
Jedes Jahr wird der Bundespresseball traditionell vom Bundespräsidenten eröffnet. Mit dessen Frau tanzt derweil der Vorsitzende der Bundespressekonferenz – seit Jahren ist das Gregor Mayntz, Berliner Korrespondent der Rheinischen Post. Blitzlichtgewitter ist garantiert.

 

Übrigens: Unter den Gästen waren nicht nur Steinmeier und Ex-Kanzler Gerhard Schröder, sondern auch Schauspieler wie Henry Hübchen oder Andrea Sawatzky. Und mit Herbert Köfer, 98, kam kurz auch der älteste aktive Schauspieler der Welt.

Checkpoint Charlie ohne Nepp

Der Touristennepp am Checkpoint Charlie hat ein Ende: Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg entzog dem Betreiber die Duldung. Bei Zuwiderhandlung müssen die falschen Soldaten jetzt selbst mit Verfolgung rechnen.

Und so steht in diesem Jahr wieder eine Weihnachtstanne an dem historischen Ort zwischen Ost und West – die ganz allein Hunderte von Schaulustigen anlockt. Und für ein Foto müssen sie nicht mehr drei bis fünf Euro berappen.