Neustadt: Forum Museumsinsel

Da wächst was empor. Nur ein paar Schritte vom Tacheles-Gelände entfernt entsteht das „Forum Museumsinsel“, Teile sind bereits fertig. 2007 hatte der Investor Ernst Freiberger das 100.000 Quadratmeter große Ensemble für 35 Millionen Euro gekauft. Nun bekommt jedes der acht denkmalgeschützt Häuser eine neue Funktion.

Wirklich beeindruckend ist „Das Bauhaus“, wie es der Investor nennt. Dort, wo einst eine Frauenklinik war und Babygeschrei die Räume füllte, sitzt jetzt die PR-Agentur Serviceplan und denkt sich im „Haus der Kommunikation“ tolle, neue Ideen aus.

Über 200 Jahre war das Areal zwischen Spree und Oranienburger Straße, zwischen Monbijoupark und Tucholskystraße bereits ein Standort der Kommunikation und der Wissenschaften gewesen. Das hat auch den Internet-Konzern Google angelockt, der in dem benachbarten Gropius-Bau seine Europa-Zentrale errichtet hat.

So soll das Areal einmal aussehen. Die Gebäude an der Spree sind schon saniert und vermietet, die Häuser an der Oranienburger Straße harren noch der Fertigstellung. Im Haupttelegrafenamt war auch mal die Rohrpost untergebracht, die bis 1976 existierte. Berlin hatte übrigens mit einst 400 Kilometern das zweitgrößte Rohrpostnetz der Welt.

 

Jetzt wird in das Telegrafenamt ein Hotel einziehen. Und das einstige Fernsprechamt hat bereits einen neuen Mieter, den schwedischen Lieferdienst Lieferando, der hier sein Haupquartier in Deutschland aufgebaut hat. Fast fertig saniert ist inzwischen das Logenhaus, wo früher die Große Landesloge der Freimaurer ihren Sitz hatte.

Das 1789-91 errichtete Gebäude steht heute unter Denkmalschutz. Aber schon im 19. Jahrhundert hatten es die Freimaurer für 1,1 Millionen Reichsmark an die Deutsche Post verkauft. Es wird spannend sein zu sehen, wer hier der künftige Mieter wird.

 

Eigentlich sollte das Forum im Herbst 2021 fertiggestellt sein. Aber die Corona-Pandemie hat auch hier dem Projekt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wann das nach Plänen von Architekt Max Lehmann am Monbijoupark liegende, im neobarocken Stil erbaute Haupttelegraphenamt fertig wird, ist offen.

Wie technischer Fortschritt auch eine Nutzung verändert, ist am Besten am einstigen Fernsprechamt abzulesen. Das 1926/27 im Art-Déco-Stil erbaute Gebäude hatte Jahrzehnte die elektrischen Relaisstationen der regionalen Telefonzentrale beherbergt. Heute reicht dafür ein Zimmer aus. Also viel, viel Platz für neue Mieter – wie Delivery Hero.

 

Was jetzt noch fehlt, ist die Neugestaltung des einstigen Pakethofes an der Ziegelstrasse. Dann wird das durch diese Straße getrennte Ensemble endlich vereint und Berlins Mitte ist um eine Attraktion reicher.

 

andre
Es muss nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und fantastisch anzuschauen. Einfach die schönste Stadt im Erdenkreis.

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