DEFA meets Bauhaus

Es gibt genau 1.732 Kinos in Deutschland. Und eines der bekanntesten ist ohne Zweifel das Kino „International“ in Berlin-Mitte. Rund 600 Plätze gab es hier. Der berühmteste war Reihe acht, Platz 15. Dieser Sitz ganz in der Mitte war zu DDR-Zeiten immer für Staatschef Erich Honecker reserviert. Aktuell sind es übrigens 551 Sitze.

Zu Corona-Zeiten im Jahr 2020 muss auch das „International“ an der Karl-Marx-Allee schließen. Das Plakat erinnert an die letzte Aufführung am 14. März. Im Nachmittagsprogramm wurden noch die Känguru-Chroniken gezeigt.


In diesem Jahr begeht das Kino generell seinen 125. Geburtstag. Das „International“ ist deutlich jünger. Das einstige DEFA-Premierenhaus wurde erst 1961-1963 erbaut. Legendär ist das bis heute sehr gut erhaltene Interieur aus den 1960er-Jahren. Man sieht: Bauhaus meets DEFA.

Ein Anziehungspunkt ist die Panoramabar – nicht nur zur Berlinale. Hier hat man einen wunderbaren Blick auf die einstige DDR-Prachtstraße. Und kann Abends – übrigens auch ohne Kinokarten – ein Glas Wein genießen. In typischen DDR-Sesseln in niedrigen Couchtischen.

 

Heute steht das von Architekt Josef Kaiser geschaffene, luftige Gebäude unter Denkmalschutz. Der Kino-Saal hatte er in der ersten Etage untergebracht, um so im Erdgeschoss Platz für einen Jugendklub und eine Stadtteil-Bibliothek mit großem Kinderbereich zu schaffen. Es war für die Kleinen eine Märchenwelt.

Der Kino-Saal selbst hat trotz Modernisierung seinen Stil und Charme der 60er behalten. Wenn sich nach den drei Gongs der glitzernde Premierenvorhang öffnet, scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Durch die Breite des Saales können hier sowohl herkömmliche Filme in 35 Millimeter als auch 70-Millimeter-Streifen gezeigt werden.

 

Tagsüber ein weißer, fast schwebender Kubus, erstrahlt das Haus nachts mit seinen mächtigen Lüstern weit auf die Straße hinaus, die bis November 1961 noch Stalin-Allee hiess. Es waren Umbruchzeiten. Und so schrieb der Architekt Kaiser 1963: „Die architektonischer Gestaltung von Filmtheatern soll heute darauf gerichtet sein, einen Ort festlicher Zusammenkunft für eine erlebnisreiche Gemeinschaft zu schaffen.“ Das ist gelungen. Über die Zeiten hinweg.

andre
Überzeugter Berliner mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und fantastisch anzuschauen. Einfach die schönste Stadt...

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