Berlins neue Mitte: Das Schloss

Irgendwann wird alles fertig. Nach dem BER sind auch am Schloss jetzt die letzten Bauzäune gefallen. Und die Besucher können nach elf Jahren Planungs- und Bauzeit die neue Landmarke im Zentrum der Hauptstadt besuchen. Corona-bedingt allerdings nur als Spaziergang um das Schloss herum, im März 2021 sollen die Türen dann real öffnen.

Rund 677 Millionen Euro hat der Wiederaufbau des Schlosses gekostet, dessen Reste 1950 zu DDR-Zeiten gesprengt wurden. Trotz mancher Kritik ist jetzt zu sehen, dass Berlin seine Mitte wiederbekommen hat. Wenngleich auch als Museum der Moderne.

 

Es war der Hamburger Kaufmann Wilhelm von Boddien, der im Auftrag des Fördervereins Berliner Stadtschloss 1993 zunächst eine Fassaden-Attrappe errichten ließ. Jahre später entstand dann mit dem Humboldt-Forum eine politisch durchsetzbare Nutzungsidee für die etwa 50.000 Quadratmeter. 2009 begannen die Bauarbeiten.

Nun endlich steht das Schloss, das 2006 vom italienischen Architekten Franco Stella entworfen wurde. Als Zugeständnis an die Moderne wurde die Rückseite zur Spree hin in Waschbeton belassen – und trägt jetzt den stolzen Namen Humboldt-Forum. Nur eben ohne Bindestrich.

 

Lange wurde gestritten – und wird es immer noch. Aktuell geht es um die 1898 erworbenen Benin-Bronzen, deren Rückgabe Nigeria fordert. Aber auch andere Stücke in den künftigen Museen sollen Beutekunst sein. Da ist das Humboldt-Forum von Anfang an in der postkolonialen Debatte drin. Ein idealisiertes Preußen-Bild wird das Schloss jedenfalls nicht.

Ja, die Fassade erinnert schon an das alte Hohenzollern-Schloss. Und auch das Kreuz auf der Kuppel ist nicht unbedingt ein Zeichen der Toleranz. Aber in der Kuppel mit ihrer umstrittenen Inschrift wird es keine christliche Kapelle geben – so wie früher. Sondern eine Ausstellung ausgerechnet mit buddhistischen Felsmalereien. Was für eine Ironie der Geschichte.

 

Jetzt erobern aber erstmal die Berliner und die Besucher der Hauptstadt das neue Schloss an jenem Platz, an dem einst der Palast der Republik stand. Und mit der geplanten „Einheitswippe“ gegenüber dem Schlosseingang ist die nächste Debatte schon programmiert.

andre
Überzeugter Berliner mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und fantastisch anzuschauen. Einfach die schönste Stadt...

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