Stille: Museumsinsel im Abendlicht

Berlin hält den Atem an: Es ist Corona-Zeit. Aber der Shutdown bringt auch die Spree zur Ruhe. Eine Ruhe, die einmalige Fotos erlaubt. Dort, wo sich sonst ein Ausflugsschiff am anderen drängelt, liegt der Fluss jetzt spiegelglatt und still. Das ist eine Einladung zum Spaziergang, um die kleinen Dinge zu entdecken. 

Das Bode-Museum liegt am nördlichen Ende des Museumsinsel – und sieht aus wie ein Wasserschloss. Errichtet wurde es 1898 bis 1904 durch Ernst Eberhard von Ihne als Kaiser-Friedrich-Museum. Dieser Name wurde zu DDR-Zeiten 1956 ersetzt und erinnert an den Kunsthistoriker Wilhelm Bode (1845-1929), der 1914 geadelt wurde.

 

Die Museumsinsel zählt seit 1999 zum UNESCO-Welterbe. Sie umfasst fünf prächtige Gebäude, wobei die Sammlungen von der Prähistorie über die Antike bis hin zur Kunst des 19. Jahrhunderts jährlich über drei Millionen Besucher anlocken. Der Eingang ist seit 2019 die James-Simon-Galerie.

Die James-Simon-Galerie erinnert an den Kustmäzen, der die Nofrete-Büset nach Berlin brachte. Die Galerie wurde von 2009 bis 2018 nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield anstelle des 1938 abgerissenen Neuen Packhofs von Karl Friedrich Schinkel errichtet und ist heute das neues Besucherzentrum der Museumsinsel.

 

Wer in den Innenhof der Galerie gelangen will, der muss die Eiserne Brücke überqueren. Der Name stammt von der ersten eisernen Brücke Berlins, die hier 1797 errichtet wurde. Sie war aus Gussstahl und ersetzte die alte Wallbrücke aus Holz. Heute ist sie weitgehend aus Stein, nur ein paar gusseiserne Gitter machen dem Brückennamen alle Ehre.

Über die Eiserne Brücke gelangt man zu den letzten der fünf Museen: zum Alten Museum (rechts) und zum Neuen Museum (links hinter der Galerie). Als das Neue Museum 2009 als drittes Haus auf der Museumsinsel nach langen Umbauarbeiten wiedereröffnet wurde, waren zum ersten Mal seit 1939 wieder alle fünf Ausstellungshäuser für Besucher zugänglich.

 

Am Ende des kleinen Rundganges liegt der Lustgarten, der die Museumsinsel mit dem neuen, alten Stadtschloss verbindet. Der Lustgarten geht auf Kurfürst Johann Georg zurück, der dieses Areal 1573 als Küchengarten des Berliner Schlosses anlegen ließ. 1646 wurde der im Dreißigjährigen Krieg verwilderte Küchengarten umgestaltet. Hier wurden erstmals in Berlin auch Kartoffeln angebaut.

Stolz ragen die vier Türme des Berliner Doms am Rande des Lustgartens in den Abendhimmel. Und die knapp 100 Meter hohe Kuppel wird von einem goldenen Kreuz gekrönt. Im Keller des neoklassizistischen Gebäudes liegt die Hohenzollerngruft, das wichtigste dynastische Grablege Deutschlands.
andre
Überzeugter Berliner mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und fantastisch anzuschauen. Einfach die schönste Stadt...

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.