Freie Dorotheenstädtische Republik

In Berlin gibt es nichts, was es nicht gibt. Und fürs Kabarett trifft das erst recht zu. So lädt das Kabarett „Die Distel“ ein zu „Zwei Zimmer, Küche: Staat – Ab heute wird zurückregiert“. Sehenswert, auch wenn einem das Lachen über manchen Witz ob der Aktualität und Realität im Halse stecken blieb.

Eröffnet wurde die „Distel“ als politisches Kabarett am 2. Oktober 1953. Seitdem hat sie ihren Sitz im Vorderhaus des alten Admiralspalasts. Und seitdem stachelt sie gegen den Widersinn der großen Staatspolitik.

 

Es ist der Politik-Irrwitz, der bis heute den Saal des Berliner Kabaretts füllt. Dort, wo früher die DDR-Oberen wortgewaltig ihr Fett abbekamen, ist die „Distel“ nun der Stachel im gesamtdeutschen Regierungssitz. Und diesmal geht es nicht um alternative Fakten, sondern um alternative Staaten. Genauer gesagt um die „Freie Dorotheenstädtische Republik“.

Natürlich darf bei so einem Schlamassel Angela nicht fehlen. Doch anders als in anderen Satire-Vorstellungen bietet die „Distel“ eine Kanzlerin vom Feinsten. Statt weinerlich oder überzogen parodistisch wird hier jemand dargestellt, dem Politik offensichtlich Spaß macht. Im Zweifelsfall muss es Mutti  richten – so wie im wahren Leben. Merkel at its best, sozusagen.

 

Und auch Onkel Donald aus Übersee sowie der potente Putin können nicht fehlen. Beide sind ausgezeichnet in ihrem Verhalten getroffen. Bleibt für den Zuschauer zum Schluss nur die Frage: Ist es wirklich so einfach einen Staat zu gründen? Denn dann bräuchte man ja nur eine Flagge, eine Hymne, ein Staatsgebiet – und schon geht sie los, die Proklamation der „Freien Republik…“. Irgendwas. Irgendwie gruselig.

andre
Überzeugter Berliner mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und fantastisch anzuschauen. Einfach die schönste Stadt...

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