8. Mai: Ein Tag der Befreiung

Es ist der 75. Jahrestag des Kriegsendes – und zum ersten Mal begeht Berlin den 8. Mai als einen Feiertag. Der Tag, an dem die Wehrmacht in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation erklärte. Auch in diesem Jahr werden am „Tag der Befreiung“ trotz Corona tausende rote Nelken am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow niedergelegt.

Herzstück des neun Hektar großen Ehrenmals ist die 30 Meter hohe Statue des Sowjetsoldaten mit einem Kind im Arm, ein Schwert in der anderen Hand und den gestiefelten Fuß auf ein zerschmettertes Hakenkreuz gesetzt. In der Krypta unter der Statue ist ein Rundmosaik zu sehen, dessen vergoldetes Wort „Slawa“ (Ruhm) mit jedem Sonnenstrahl hell erleuchtet.

 

Das Ehrenmal in Treptow ist das größte seiner Art in Deutschland. Es ist zugleich ein Friedhof, auf dem rund sowjetische 7.000 Soldaten beerdigt wurden, die bei der Erstürmung Berlins ihr Leben ließen. Ihnen gebührt ewiger Ruhm, wie die Gedenktafeln auf dem Gelände nahe der Spree verkünden.

Über 55 Treppen können die Besucher von der Statue zu den fünf Grabfeldern hinabsteigen, die jeweils mit einem riesigen Kranz versehen sind. Diese Felder haben nur einen symbolischen Wert: die Soldatengräber selbst sind an den Seiten des Ehrenmales untergebracht. Auch in diesem Jahr kommen Nachfahren, um gemeinsam auf den Bänken davor ihrer Väter und Großväter zu gedenken.

 

Bereits kurz nach Kriegsende hatte die Sowjetische Militäradministration einen Wettbewerb für das Denkmal ausgelobt. Hauptbedingung: Es sollte kein Siegesmal werden, sondern ein Ehrenmal für die Gefallenen, die zur Zerschlagung des Nationalsozialismus beigetragen haben. 33 Vorschläge gingen dazu ein.

Durch eine Allee mit Trauerbirken gelangt der Besucher zunächst zu den riesigen Statuen zweier trauernder Sowjetsoldaten, die vor steinernen Fahnen aus rotem Marmor knien. Es heißt, dass ein Teil dieses Marmors aus der Reichskanzlei stammen soll, wo einst Hitler seinen Sitz hatte.

 

Aus den Bewerbungen wurde der Entwurf eines „Schöpferkollektives“ unter der Leitung des Architekten Jakow S. Belopolski, des Bildhauers Jewgeni W. Wutschetitsch, des Malers Alexander A. Gorpenko und der Ingenieurin Sarra S. Walerius ausgewählt. 1947 begannen die Bauarbeiten. Am 8. Mai 1949 wurde das Sowjetische Ehrenmal dann eingeweiht.

Jeweils acht große steinerne Sarkophage stehen an beiden Seiten des Ehrenhofes. Sie symbolisieren die damals 16 Sowjetrepubliken. Und jeder von ihnen ist mit einem Zitat Stalins versehen, der für den heroischen Sieg historische Vorbilder und das große Banner Lenins beschwört.

 

Genau genommen ist der 9. Mai der Tag des  Kriegsendes. Denn die Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde wurde erst in der Nacht um 00:43 Uhr beendet. Aber da in Moskau ohnehin schon der nächste Tag angebrochen war, begeht Russland bis heute die offiziellen Feierlichkeiten einen Tag später.

andre
Überzeugter Berliner mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und fantastisch anzuschauen. Einfach die schönste Stadt...

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