Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan

Berlin hat ein neues Spiel: Strassenumbenennung. Begonnen hat alles mit der Mohrenstraße im Bezirk Mitte. Das ist rassistisch, sagen die Gegner des Straßennamens. Und beschmieren schon mal die Straßenschilder. Früher nannte man das wohl Maschinenstürmerei.

Strittig ist, ob der bisherige Name der Straße schwarze Menschen herabwürdige. Er zeuge „von einer in unserer Gegenwart weiterwirkenden gewaltvollen deutschen und europäischen Kolonialgeschichte“, so heißt es zumindest in der Begründung der Bezirksverordneten, die kurzerhand eine Umbenennung beschlossen haben.

 

Aber nicht nur der Mohrenstrasse soll es an den Kragen. Auch Onkel-Toms-Hütte ist den neuen Sprachpuristen ein Dien im Auge. Da werde die Sklaverei verherrlicht, argumentieren sie. Und vergessen ganz, dass eine ganze Generation mit diesem Märchenbuch aufgewachsen ist und begriffen hat, was Sklaverei bedeutet.

Ein Abstecher lohnt am Gendarmenmarkt zum Schokoladen Heinrich Rausch, der in der Mohrenstraße 10 ab 1863 Pralinen herstellte. 1868 folgte der Pralinenmeister Hugo Hoffmann, de 1894 die Marke Sarotti anmeldete. Der Sarotti-Mohr als Hommage an den Firmensitz Mohrenstraße wurde übrigens erst 1918 erfunden.

 

Nun kann man über Namen durchaus streiten. Aber mit dieser Argumentation müsste auch das Adlergestell umbenannt werden. Denn hier stand – unbestritten – der preußische Reichsadler Namenspate. Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. kam über diesen Weg zu seinem Lieblingsschloss Königs Wusterhausen. Apropos: Wenn man schon so radikal denkt – sollte nicht auch dieser Städtename ausradiert werden?

andre
Überzeugter Berliner mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und fantastisch anzuschauen. Einfach die schönste Stadt...

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