Zu Besuch bei Hermann Tietz

Der jüdische Friedhof in Berlin Weißensee gilt als größter noch erhaltener jüdischer Friedhof Europas. 1880 eröffnet haben hier mehr als 115.00 Beisetzungen stattgefunden. Selbst den 2. Weltkrieg überstand er fast unbeschadet. Nur 68 Bombeneinschläge verwüsten etwa 4.000 Grabstätten.

Grabmale herausragender Persönlichkeiten sind auf dem Friedhof zu finden – etwa Hermann Tietz, der Gründer des Warenhauskonzerns (zu dem auch das spätere Kunsthaus Tacheles gehörte), Samuel Fischer, der Gründer des namhaften S. Fischer Verlags oder Berthold Kempinsky, Gründer des Weinrestaurants M. Kempinsky u. Co. oder Adolf Jandief Kaufmann, der Gründer des heutigen KaDeWe.

Zwei Dinge sind ungewöhnlich: Männlichen Besuchern ist das Betreten des Friedhofes nur mit Kopfbedeckung gestattet. Und wer die hebräischen Lebensdaten der Verstorbenen lesen kann, wird etwas irritiert sein. Denn sie werden nach dem jüdischen Kalender verzeichnet. Der begann 3.761 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung!

Gern wird die Stätte auch von Malkursen genutzt, denn das historisch und architektonisch einmalige Ensemble schärft den Blick für Details.

Übrigens: Zu Ehren der Toten wird oft ein Stein auf das Grab gelegt, Blumen sind unüblich. Erst in jüngerer Zeit kam mit den osteuropäischen Juden neben Blumen auch eine Grabbepflanzung.

andre
Überzeugter Berliner mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und fantastisch anzuschauen. Einfach die schönste Stadt...

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