Jemand hat die Pause-Taste gedrückt

Berlin hält den Atem an. Wegen der Corona-Epidemie sind in der Hauptstadt seit einigen Tagen alle Restaurants und Geschäfte geschlossen. Damit soll die Verbreitung des Virus zumindest verlangsamt werden. Und das scheint bitter nötig.

Mehr als 37.000 Menschen haben sich in Deutschland bereits mit der neuen Lungenkrankheit infiziert. Daher sind jetzt auch Ansammlungen mit mehr als zwei Personen untersagt. Die Polizei kontrolliert wie hier am Brandenburger Tor die Einhaltung der drastischen Vorschriften.

 

Es hat ziemlich lange gebraucht, ehe die Politik in Berlin begriffen hatte, dass das Unsichtbare jeden Einzelnen bedroht. Doch dann wurde das öffentliche Leben Stück für Stück eingeschränkt und schließlich ganz zum Erliegen gebracht. Schulen und Universitäten wurden wie zuvor schon die Geschäfte geschlossen.

Auch Berlins größte Hochschule, die Humboldt-Universität, hat Anfang der Woche ihre Pforten geschlossen. Der Uni-Betrieb ist für die 36.000 Studierenden vollständig eingestellt. Berlin hatte zuvor schon den Semesterbeginn verschoben.

 

Eine ungewöhnliche Ruhe herrscht auf den Straßen der Hauptstadt. Selbst an dem sonst so quirligen S-Bahnhof Friedrichstraße ist an diesen Wochentagen kaum etwas los. Und die Straßenbahnlinien sind deutlich ausgedünnt.

Ein gutes hat das alles: Es wird nicht mehr über Fahrverbote geredet, um den Smog zu bekämpfen. Der private Verkehr findet kaum noch statt, damit hat sich auch die Stau-Lage deutlich entspannt. Sie gibt es de facto nicht mehr.

 

Was auch fehlt, sind die Kondensstreifen der Flugzeuge am Himmel. Der Flughafen Tegel meldet gerade einen Rückgang der Flüge um 85 Prozent. Ein Flugverkehr findet praktisch nicht mehr statt. Und die Flüge von und nach Schönefeld haben sich halbiert.

Es fühlt sich so an, als hätte jemand die Pause-Taste gedrückt. Einfach mal die Welt anhalten. Vielleicht sollten wir mal über den Irrsinn einer immer beschleunigteren Welt nachdenken.

andre
Gebürtiger und überzeugter Berliner - als Journalist mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Denn es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und unheimlich bunt anzuschauen. Kurzum: für mich ist es einfach die schönste Stadt...

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