Zigeunerlieder an Stalins Ohr

Eine „Gypsi Fiesta“ ist immer ein Erlebnis. Denn das ist in Lieder gegossene Lebensfreude. Aber wenn ein solcher Abend im Café Sibylle in der einstigen Stalin-Allee stattfindet, der heutigen Karl-Marx-Allee, dann ist es schon etwas ganz Besonderes: Denn nur wenige Meter von der kleinen Bühne entfernt befindet sich Stalins Ohr – der letzte Überrest der einst größten Stalin-Statue auf deutschem Boden.

Am 3. August 1951 wurde das Stalin-Denkmal in der Nähe des Strausberger Platzes enthüllt. Der Bronze-Koloss war 4,60 Meter hoch und zweieinhalb Tonnen schwer. In der Nacht zum 14. November 1961 wurde er geschleift. Heute ist nur noch ein Ohr und etwas von seinem Bart übrig. Ausgestellt in dieser kleinen Holz-Vitrine.

Die Frankfurter Allee war übrigens anläßlich von Stalins 70. Geburtstag am 21. Dezember 1949 in Stalinallee umbenannt worden. Im November 1961 wurde sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nur wenige Monate nach dem Mauerbau in Karl-Marx-Allee umbenannt. Heute gehört diese 2,6 Kilometer lange Allee zu Europas wichtigsten Archtitekturensembles und steht unter Denkmalschutz.

An der Wand des Café Sibylle – einst eines der beliebtesten Cafés in Ost-Berlin – sind heute noch die Malereien aus den 1960er-Jahren zu erkennen. Und in einer Ecke stehen noch eine alte dreiarmige Lampe, die nach dem Krieg so manches Wohnzimmer schmückte. Ein Hauch der Ulbricht-Ära.

Am Mikrofon sang sich an diesem Abend Karola Nitsch in die Herzen des Publikums. Zusammen mit Ihrer Patchwork-Familie – darunter auch Karsten Troyke. Stimmgewaltig und gerade auch an diesem Ort berührend. Sehr gelungen.

andre
Überzeugter Berliner mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und fantastisch anzuschauen. Einfach die schönste Stadt...

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