Ratlos schön: Fassadenkletterer im Scheunenviertel

Ist das Kunst oder kann man das auch verstehen? Viele Zuschauer blickten etwas ratlos auf die Inszenierung „Equinox“ der Fassadenkletterer von Grotest Maru, die an diesem Wochenende die Auguststraße in Berlin Mitte eroberten. Aber bizarr und schön war es allemal.

Hand in Hand schweben eine Ägypterin und ein Deutscher an der Fassade – scheinbar der Schwerkraft enthoben. Ein Kunstprojekt, das Ländergrenzen überwinden will? Nein, eher die Grenzen von Zeit und Raum. „Equinox“ will einen Blick in die versunkene Bibliothek von Alexandria werfen.

Das Projekt ist eine Koproduktion der deutschen Compagnie „Grotest Maru“ aus Berlin und der ägyptisches Alternativen Theatergruppe I-Act aus Alexandrien. Deren erklärtes Ziel ist es, mit ihrer Performance zum Nachdenken anzuregen und den urbanen Raum zurückzuerobern. Das zumindest ist Ihnen in Mitte gelungen.

Für einen Tag war eine der wichtigsten Straßen im Scheunenviertel gesperrt. Die meisten Autofahrer ertrugen es mit Fassung, nur ein Porsche-Besitzer regte sich auf und drehte lautstark um.

Etwa 50 Menschen verfolgten das ungewöhnliche Spektakel im Scheunenviertel, auch wenn einige ratlos zurückblieben. Aber allein der Tanz auf der Fassade war es wert, kurz innezuhalten. Und vielleicht erhaschte jemand auch einen Tropfen Zeit.

andre
Überzeugter Berliner mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und fantastisch anzuschauen. Einfach die schönste Stadt...

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.