Nur schneller, höher, weiter – Das war ein Irrtum

Nach Bundeskanzlerin Angela Merkel geht nun auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier außerhalb der Reihe vor die Kamera. In seiner fast neunminütigen Fernsehansprache betont er: „Die Welt wird eine andere sein.“ Wenn die Corona-Pandemie vorbei ist, wenn. Nur einen Zeitpunkt für die Lockerung nennt auch Steinmeier nicht.

Normalerweise richtet sich der Bundespräsident nur einmal im Jahr mit einer Ansprache zu Weihnachten an die Menschen im Land. Steinmeiers Fernsehansprache zur Corona-Pandemie war dessen erste außerhalb der Reihe in dieser Form. Er betont, dass viele gedacht haben, es könne nur schneller, höher, weiter gehen. „Das war ein Irrtum.“

 

Seit Wochen ruht das Leben in Deutschland. Die Schulen sind zu, die Universitäten auch. Die Restaurants und Geschäfte sind geschlossen. Und die Industrie hat ihre Produktion heruntergefahren. Lediglich die sogenannten lebenswichtigen Bereiche werden ausgeklammert – von der medizinischen Versorgung bis zum Lebensmittel-Einzelhandel. Wer kann, der bleibt zu Hause.

Interessant ist, dass in Deutschland auch Baumärkte zu den „lebenswichtigen Bereichen“ gehören. Hier bilden sich regelmäßig lange Schlangen mit mehr als 100 Menschen. Egal wo in Berlin, egal bei welchem Baumarkt.

 

Noch sei die Gefahr nicht gebannt, beschwört der Bundespräsident die Menschen. Noch heiße es, Abstand halten. Und er will ihnen zugleich Mut machen: Durch die Einhaltung der radikalen Einschnitte habe jeder Menschenleben gerettet „und rettet täglich mehr“. Aber wie lange kann das eine Volkswirtschaft durchhalten?

Stille: Museumsinsel im Abendlicht

Berlin hält den Atem an: Es ist Corona-Zeit. Aber der Shutdown bringt auch die Spree zur Ruhe. Eine Ruhe, die einmalige Fotos erlaubt. Dort, wo sich sonst ein Ausflugsschiff am anderen drängelt, liegt der Fluss jetzt spiegelglatt und still. Das ist eine Einladung zum Spaziergang, um die kleinen Dinge zu entdecken. 

Das Bode-Museum liegt am nördlichen Ende des Museumsinsel – und sieht aus wie ein Wasserschloss. Errichtet wurde es 1898 bis 1904 durch Ernst Eberhard von Ihne als Kaiser-Friedrich-Museum. Dieser Name wurde zu DDR-Zeiten 1956 ersetzt und erinnert an den Kunsthistoriker Wilhelm Bode (1845-1929), der 1914 geadelt wurde.

 

Die Museumsinsel zählt seit 1999 zum UNESCO-Welterbe. Sie umfasst fünf prächtige Gebäude, wobei die Sammlungen von der Prähistorie über die Antike bis hin zur Kunst des 19. Jahrhunderts jährlich über drei Millionen Besucher anlocken. Der Eingang ist seit 2019 die James-Simon-Galerie.

Die James-Simon-Galerie erinnert an den Kustmäzen, der die Nofrete-Büset nach Berlin brachte. Die Galerie wurde von 2009 bis 2018 nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield anstelle des 1938 abgerissenen Neuen Packhofs von Karl Friedrich Schinkel errichtet und ist heute das neues Besucherzentrum der Museumsinsel.

 

Wer in den Innenhof der Galerie gelangen will, der muss die Eiserne Brücke überqueren. Der Name stammt von der ersten eisernen Brücke Berlins, die hier 1797 errichtet wurde. Sie war aus Gussstahl und ersetzte die alte Wallbrücke aus Holz. Heute ist sie weitgehend aus Stein, nur ein paar gusseiserne Gitter machen dem Brückennamen alle Ehre.

Über die Eiserne Brücke gelangt man zu den letzten der fünf Museen: zum Alten Museum (rechts) und zum Neuen Museum (links hinter der Galerie). Als das Neue Museum 2009 als drittes Haus auf der Museumsinsel nach langen Umbauarbeiten wiedereröffnet wurde, waren zum ersten Mal seit 1939 wieder alle fünf Ausstellungshäuser für Besucher zugänglich.

 

Am Ende des kleinen Rundganges liegt der Lustgarten, der die Museumsinsel mit dem neuen, alten Stadtschloss verbindet. Der Lustgarten geht auf Kurfürst Johann Georg zurück, der dieses Areal 1573 als Küchengarten des Berliner Schlosses anlegen ließ. 1646 wurde der im Dreißigjährigen Krieg verwilderte Küchengarten umgestaltet. Hier wurden erstmals in Berlin auch Kartoffeln angebaut.

Stolz ragen die vier Türme des Berliner Doms am Rande des Lustgartens in den Abendhimmel. Und die knapp 100 Meter hohe Kuppel wird von einem goldenen Kreuz gekrönt. Im Keller des neoklassizistischen Gebäudes liegt die Hohenzollerngruft, das wichtigste dynastische Grablege Deutschlands.

Jemand hat die Pause-Taste gedrückt

Berlin hält den Atem an. Wegen der Corona-Epidemie sind in der Hauptstadt seit einigen Tagen alle Restaurants und Geschäfte geschlossen. Damit soll die Verbreitung des Virus zumindest verlangsamt werden. Und das scheint bitter nötig.

Mehr als 37.000 Menschen haben sich in Deutschland bereits mit der neuen Lungenkrankheit infiziert. Daher sind jetzt auch Ansammlungen mit mehr als zwei Personen untersagt. Die Polizei kontrolliert wie hier am Brandenburger Tor die Einhaltung der drastischen Vorschriften.

 

Es hat ziemlich lange gebraucht, ehe die Politik in Berlin begriffen hatte, dass das Unsichtbare jeden Einzelnen bedroht. Doch dann wurde das öffentliche Leben Stück für Stück eingeschränkt und schließlich ganz zum Erliegen gebracht. Schulen und Universitäten wurden wie zuvor schon die Geschäfte geschlossen.

Auch Berlins größte Hochschule, die Humboldt-Universität, hat Anfang der Woche ihre Pforten geschlossen. Der Uni-Betrieb ist für die 36.000 Studierenden vollständig eingestellt. Berlin hatte zuvor schon den Semesterbeginn verschoben.

 

Eine ungewöhnliche Ruhe herrscht auf den Straßen der Hauptstadt. Selbst an dem sonst so quirligen S-Bahnhof Friedrichstraße ist an diesen Wochentagen kaum etwas los. Und die Straßenbahnlinien sind deutlich ausgedünnt.

Ein gutes hat das alles: Es wird nicht mehr über Fahrverbote geredet, um den Smog zu bekämpfen. Der private Verkehr findet kaum noch statt, damit hat sich auch die Stau-Lage deutlich entspannt. Sie gibt es de facto nicht mehr.

 

Was auch fehlt, sind die Kondensstreifen der Flugzeuge am Himmel. Der Flughafen Tegel meldet gerade einen Rückgang der Flüge um 85 Prozent. Ein Flugverkehr findet praktisch nicht mehr statt. Und die Flüge von und nach Schönefeld haben sich halbiert.

Es fühlt sich so an, als hätte jemand die Pause-Taste gedrückt. Einfach mal die Welt anhalten. Vielleicht sollten wir mal über den Irrsinn einer immer beschleunigteren Welt nachdenken.

Die Situation ist ernst und sie ist offen

Die Lage ist offensichtlich ernst. Denn zum ersten Mal in ihren 15 Amtsjahren als Bundeskanzlerin tritt Angela Merkel zu einem aktuellen Thema vor die Kamera: Es ist die Zeit des Coronavirus. Sie bezeichnet in ihrer Ansprache die Situation als „ernst und offen“. Mehr als zehn Prozent mehr Infizierte an nur einem Tag.

Das nennt sich Führung: Wenn es wirklich ernst wird, ab in die erste Reihe. Und Merkel macht es gut: ruhig, besonnen, überzeugend. Mehr als 25 Millionen Menschen sehen ihre Fernsehansprache.

 

Noch verzichtet Deutschland auf eine Ausgangssperre, noch. Aber die Zahlen sind alarmierend. Bereits über 10.000 Infizierte, mit 1,5 Millionen wird mittlerweile gerechnet. Da prüft das Land Berlin unterdessen, auf dem Messegelände ein Notkrankenhaus für rund 1.000 Patienten zu errichten.

Immer wieder ist in den Sozialen Medien von Hamsterkäufen zu reden. Aber wenn man das erste Mal selbst die leeren Regale sieht…. Da stellt sich schon die Frage: Was wollen die Leute mit all dem Toilettenpapier?

 

Merkel findet selbst zu den Hamsterkäufen den richtigen Ton. Und dankt zugleich nicht nur den Ärzten und Pflegern in den Krankenhäusern, sondern all jenen, die das tagtägliche Leben mit organisieren „und den Laden am Laufen halten“.

„Es kommt ohne Ausnahme auf jeden einzelnen und damit auf uns alle an.“ So lautet der Schluss der knapp 13-minütigen Ansprache der Kanzlerin.

Respekt vor dieser Art politischer Führung.

Zitat des Tages

Jedem Menschen steht nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung. Deshalb ist es wichtig, dass jeder Maß nimmt dafür, was wichtig und bedeutsam ist. Auch fürs Maßnehmen muss man Zeit haben. Oder sie sich nehmen.

(Der Berliner Erzbischof  Heiner Koch in seinem Hirtenwort zur Fastenzeit)

E-Force One

Da staunt selbst der Fahrradfahrer: Ein Stromer ist in Kreuzberg unterwegs und hält kurz an einer Bushaltestelle. E-Mobilität wird langsam zur Normalität.

Kein Öl, kein Benzin. Extrem kompakt und leise bewegt sich der Mia von E-Force One durch den Großstadtdschungel. Bei TrabiWorld Berlin ist es möglich, eine Stadtrundfahrt der besonderen Art zu buchen.

 

Der Mia ist eine französische Erfindung und wurde 2007 von Karosseriehersteller Heuliez entwickelt. Erstmals präsentiert wurde der elektrisch angetriebene Minivan auf dem 1. Deutschen Elektromobilkongress  2009 in Bonn. Die Fahrzeuge wurden zwischen 2010 und 2014 produziert. Dann ging der Hersteller in Insolvenz.

Corona – Die Einschläge kommen näher

Das Corona-Virus hält die Welt in Atem. Für die Charité ein guter Grund, zu einer Informationsveranstaltung einzuladen. Fakten gegen Gefühle. Denn Informationen aus erster Hand können helfen, keine Hysterie aufkommen zu lassen.

Voll ist der Hörsaal des Langenbeck-Virchow-Hauses in der Luisenstraße. Hunderte sind gekommen, um den führenden deutschen Virologen Prof. Christian Drosten zu hören. An seiner Seite: Dr. Osama Hamouda, der Leiter der Abteilung Infektionsepidemiologie des Robert-Koch-Instituts Berlin.

 

Desease-Awareness nennen es die Ärzte. Was einfach hilft, ist der Gefahr aus dem Weg zu gehen und Menschenansammlungen zu meiden. Und natürlich gründlich Händewaschen. 20 Sekunden lang, wie es in einem Radio-Beitrag zu hören war. Wer das mitstoppt, der weiß: das kann ganz schön lang sein.

In Deutschland haben sich in den vergangenen 24 Stunden zehn neue Verdachtsfälle bestätigt. Untersuchungen haben herausgefunden, dass ein Mensch Dutzende angesteckt hat. In der Fachsprache heißen sie Superspreader. So wird in Berlin bereits darüber nachgedacht, bestimmte Bereiche zu sperren.

 

Übrigens: Guter Tipp der Experten – nicht zur Notaufnahme gehen. Wer sich nicht gut fühlt, soll die Bürgerhotline anrufen. Unter (030) 90282828 bekommen besorgte Bürger gute Tipps oder ein Beauftragter kommt, um einen Abstrich zu machen.

Kreischalarm

Ausnahmezustand am Roten Teppich: Johnny Depp wird am Freitagabend im Friedrichstadt-Palast erwartet. Dort präsentiert er seinen neuen Film Minamata. Ein paar Fans begrüßen den Star auf ihre ganz persönliche Weise.

Berlin im Hollywood-Fieber – auch das ist die 70. Berlinale. Stargast des zweiten Berlinale-Tages ist Johnny Depp, das wohl bekannteste Gesucht aus der fünfteiligen Piratenreihe „Pirates of the Carribean“. In Berlin lässt er die Fans und Fotografen erst einmal rund 45 Minuten warten. Aber dann ist kein Halten mehr.

Übrigens: In Hollywood glänzt seit 1999 einer der 2.700 Sterne auf dem Walk of Fame für den Ausnahmeschauspieler.

Get the Brexit done

Jetzt ist es Realität: Nach 47 Jahren ist Großbritannien nicht mehr Mitglied der Europäischen Union. Die drittgrößte Volkswirtschaft Europas geht ihren eigenen Weg. Doch das ganz tiefe Entsetzen kommt nicht auf. Dazu dauert das Trauerspiel mit dreieinhalb Jahren schon zu lange.

Am 31. Januar kurz vor Mitternacht kommen spontan rund 2.000 Menschen zum Brandenburger Tor. Gemeinsam singen sie die Europa-Hymne. Auch ein paar EU-Flaggen sind zu sehen. Eine gewisse Traurigkeit liegt über allem.

 

Tagsüber ist in Berlin der britische EU-Austritt zwar immer wieder ein Thema, aber keine Spitzennachricht. Auch spontane Demonstrationen vor der britischen Botschaft, die direkt am Brandenburger Tor liegt, bleiben aus. Die zur Verstärkung herangezogenen Sicherheitskräfte haben nichts zu tun.

Ein einsames Polizeiauto steht vor der Botschaft. Ob die „grüne Minna“ wirklich abgeschreckt hat, ist unklar. Aber so ruhig wie an diesem Freitag war es in der Straße schon lange nicht mehr.

 

Ruhig geworden ist es auch um die wenig rühmliche Zeit der britischen EU-Mitgliedschaft. Gern wird vergessen, dass Großbritannien über lange  Zeit hinweg wichtige Entscheidungen in der Europäischen Union behindert hat. Selbst da, wo London unbestritten Erfahrungen hatte wie in der Sicherheitspolitik.

Die Brexit-Nacht ist eine gute Gelegenheit für ein gutes Guinness. In der irischen Kneipe spielt dieses Ereignis keine Rolle. Nur eine Uhr zeigt die Zeit auf der Insel an – eine Stunde vor der mitteleuropäischen Zeit. Da ist es fünf vor zwölf.

 

92 Millionen

92 Millionen Hektoliter haben die deutschen Bierhersteller 2019 abgesetzt. Klingt viel, ist aber letztendlich ein Viertel weniger als 1989, als die Statistik nur Westdeutschland erfasste. Der Grund: die älter werdende Gesellschaft. Bier, so die Experten, verschwindet aus unserem Alltag.

Der Trend geht zu exotischen Getränken wie Aperol Spritz oder Moscow Mule. Lediglich Angebote kleinerer Brauereien mit kleineren Maßen stemmen sich gegen den Trend. Aber auch sie müssen sich immer neue Sorten einfallen lassen. Interessant: der Klassiker Pils ist heute nur noch für rund die Hälfte der Biertrinker in Deutschland die beliebteste Sorte.

 

Fazit: Das „Feierabendbier“ scheint ausgedient zu haben. Irgendwie schade.