Ein Stück Magie: Christo und Jeanne-Claude

Es sollten immer nur temporäre Kunstwerke sein, die das Ausnahme-Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude erschufen. Aber ihre außergewöhnlichen Arbeiten haben Millionen erfreut und bleiben ewig in Erinnerung. Jetzt hat ihnen Berlin eine Ausstellung gewidmet. Zu recht.

Im Palais Populaire werden rund 70 Werke gezeigt, von aus den Anfängen, als es noch um in (durchsichtige) Folien verpackte und mit Schnüren umwickelte Alltagsgegenstände ging, über frühe Zeichnungen bis hin zu Ideenskizzen für geplante Projekte und Konstruktionsanleitungen.

 

Zu sehen sind einige der visuell atemberaubenden Kunstwerke des 20. und 21. Jahrhunderts: Valley Curtain in Colorado (1970-72), Sourrounded Islands in Miami (1980-83), The Umbrella in Japan und Kalifornien (1984-91) und natürlich der verhüllte Reichstag in Berlin (1971-95). Und auch, wie alles begann.

Für seine ersten „Packages“ verwendete Christo Alltagsgegenstände – vom Zeitschfriftenstapel über Flaschen bis zu Telefonen. Er umwickelte sie zunächst mit Stoff, später mit Kunststofffolie und verschnürte diese. Dies sollte als Antithese des aus Osteuropa geflohenen Künstlers zur kapitalistischen, stromlinienförmigen Verpackung gesehen werden, durch die nur die Hülle attraktiver und verführerischer gemacht werden sollte.

 

Sämtliche Projekte des Künstlerpaares wurden ausschließlich über den Verkauf von Vorstudien, Zeichnungen, Collagen, Originallithografien und Editionen ermöglicht. Christo und Jeanne-Claude akzeptierten keine Fördermittel – weder aus öffentlicher noch aus privater Hand. Das machte sie nicht nur künstlerisch unabhängig.

Christo hatte auch ein Gespür für weltbewegende Ereignisse. Besonders deutlich wurde dies wohl bei der spektakulären Verhüllung des Berliner Reichstages im Sommer 1995, die über fünf Millionen Besucher aus aller Welt anlockte. Für zwei Wochen herrschte eine magische Stimmung rund um das silbern glitzernde Bauwerk.

 

1961 machte Christo übrigens erstmals den Vorschlag, ein öffentliches Gebäude zu verhüllen. Er lebte damals in Paris in der Nähe des Triumpfbogens. Ein Jahr später legte er folgerichtig den ersten Entwurf der Verhüllung dieses Bauwerks vor. Aber erst 2018 beantragte Christo offiziell eine Genehmigung, und schon 2019 gestatte das Centre des Monuments Nationaux die Realisierung.

Seit dem Tod seiner Frau 2009 führte Christo die geplanten Vorhaben allein weiter. Auch nach dem Tod von Christo 2020 sollen die Arbeiten weitergeführt werden. Vom 18. September bis 4. Oktober wird in Paris der Arc de Triomphe mit 25.000 Quadratmetern recycelbarem silberblauer Polypropylenfolie verhüllt und mit 7.000 Metern roten Seil verpackt.

 

Ein Objekt harrt noch der Realisierung: The Mastaba. Noch existieren davon nur großformatige Zeichnungen. Sollte es je verwirklicht werden, dann würde die größte Skulptur der Welt aus 410.000 bunten Fässern in der Wüste von Abu Dhabi entstehen. Und anders als alles bisherige soll es dauerhaft installiert werden. Christo forever.

andre
Überzeugter Berliner mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und fantastisch anzuschauen. Einfach die schönste Stadt...

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