Der Show-Tempel schliesst

Europas größte Show-Bühne macht dicht: Der Friedrichstadt-Palast wird wenigstens bis Jahresende keine Show mehr zeigen. Wegen Corona wird eine erst für 2022 geplante Erneuerung der Lüftungsanlage vorgezogen.

Bereits im Frühjahr hatte das Haus schon seinen Betrieb wegen der Pandemie zeitweilig einstellen müssen. Nun soll aus der Not eine Tugend gemacht werden, sagt Berlins Kultursenator Klaus Lederer. Denn wirtschaftlich wäre der Betrieb aktuell ohnehin nicht gewesen.

 

Dabei konnte der Palast gerade 2019 mit rund 545.000 Gästen einen neuen Rekord verbuchen. Die 1.900 Sitze des Hauses an der Friedrichstraße waren im vergangenen Jahr zu gut 90 Prozent ausgelastet. Das ist mehr als im bisherigen Rekordjahr 2013.

Auch einige Tage nach der Schließung ist an der Fassade noch die „Must See in Berlin“-Werbung zu sehen. Gemeint ist die seit 2018 laufende „Vivid Grand Show“, die sich als wahrer Besuchermagnet erwiesen hat. Eigentlich sollte die letzte Vorstellung am 11. Juli 2020 stattfinden, jetzt ist fünf Wochen eher Schluss. Es ist auch eine gähnende Leere.

Eröffnet wurde dieser Neubau an der Friedrichstraße im Jahr 1984, der sich mit 80 Metern Breite und 110 Metern Länge am Grundriss des alten Palastes orientierte. Dieser war am 29. November 1919 unter Max Reinhardt als Großes Schauspielhaus gleich in der Nähe des neuen Domizils an den Start gegangen.

Das alte Gebäude war 1865 errichtet worden und wurde zuerst als Markthalle genutzt, ab 1873 dann als Zirkus. 1918 übernahm Reinhardt das Haus, das wegen seiner Säulenarchitektur von den Berlinern gern „Tropfsteinhöhle“ genannt wurde.

andre
Überzeugter Berliner mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und fantastisch anzuschauen. Einfach die schönste Stadt...

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