Bomben bringen Beifall

100 Tage Donald Trump: Nein, die Welt ist nicht eingestürzt. Nein, Mexiko ist immer noch nicht eingezäunt. Und nein, der Bruderkuss mit Putin ist auch noch nicht vollzogen. Da wäre es doch Zeit, sich entspannt zurückzulehnen. Getreu dem Motto: Lächeln und winken. Wenn wir da nicht etwas übersehen würden.

Denn da ist etwas, das selbst erfahrenen Politikprofis Sorgen bereitet, weil sie es erst in einigen Jahren für möglich hielten. Ihr Argument: Alle US-Präsidenten haben, wenn es innenpolitisch nicht so lief, die außenpolitische Karte gespielt. Und was ist besser, um das Volk hinter den Oberbefehlshaber zu bringen, als genau dieses Amt in den Fokus zu rücken.

Kurz: es droht Krieg. Nein, keiner möchte dieses Wort wirklich aussprechen. Konflikt zu sagen, ist viel besser. Oder von einer Unterstützung der Alliierten zu reden. Verbunden mit der Bemerkung, dass „alle Optionen“ auf dem Tisch liegen. Wirklich? Alle?? Überall???

Die Frage ist: Wo lässt sich zündeln, ohne gleich wieder eine ganze Region ins Chaos zu stürzen? Nahost? Fällt aus, der Irak-Krieg hält immer noch irgendwie an. Nordafrika? Keine Interessen mehr, das sollen die Europäer schön selbst ausbaden. Schwarzafrika? Da hat ja nicht mal mehr CNN ein Interesse dran.

Bleibt Asien. Ist schön groß und weit genug weg. Aber Afghanistan bringt nichts. Haben wir gesehen. Und im Südchinesischen Meer rumzupöbeln, könnte nur eine Großmacht verärgern. Das passt gerade nicht, kommt also später. Erst einmal klein beginnen. Und da bietet sich ein ganz bestimmtes Land an: Nordkorea.

Die politische Klugheit würde es jetzt gebieten, kurz in die US-Geschichte zu blicken. Und vielleicht auch mal auf die Landkarte. Denn nicht nur Südkorea hat eine Grenze zu dem Regime, sondern auch China und – kaum bekannt – ein paar Kilometer auch Russland. Aber das zu tun, ist bekanntlich nicht die Art von Trump. Er denkt in Deals und hat gerade in Syrien gelernt: Bomben sind nicht nur was für Militärs. Nein, Bomben bringen Beifall. International.

Gerade deshalb: Gönnen wir Trump einen innenpolitischen Erfolg. Nicht nur rhetorisch. Sondern von ganzem Herzen.  Im wohlverstandenen eigenem Interesse.

andre
Überzeugter Berliner mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und fantastisch anzuschauen. Einfach die schönste Stadt...

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