März/April 2019 – Dem Nullpunkt entgegen

1.März 2019: Frühlingsanfang. Doch das Wetter sorgt eher für graue Stimmung, passend zum Baufortschritt. Denn am Boden der Baugrube wird fleißig Beton gegossen. Rund einen Meter dick wird der Boden der neuen Gebäude.

Manchmal fragt man sich, was die vielen Stahlkreuze am Boden der Baugrube bedeuten. Die Antwort ist einfach. Daran wird die gesamte Armierung des künftigen Bodens befestigt. Nach Tonnen von Stahl folgen dann Unmengen von Beton, bis er fertig gegossen ist.

 

4. März 2019: Alles strebt nach oben. Jetzt sind auch im Baufeld 2 an der Oranienburger Straße die ersten Pfeiler gesetzt, die fast bis an die Strassenkante reichen. Offenbar soll hier eine Einfahrt in die künftige Tiefgarage entstehen.

Noch stehen direkt davor die grauen Baucontainer. Aber in ein paar Monaten schon wird es hier abwärts in drei Geschosse gehen. Doch sind nur zwei als Tiefgarage geplant, das dritte soll nur ein Verbindungstunnel sein.

 

7. März 2019: Im Baufeld 1 geht es mit Riesenschritten voran. Die gesamte unterste Etage ist fertiggestellt, auch das nächste Untergeschoss ist am linken Rand bereits in ersten Konturen zu sehen. Bald ist die Null-Ebene erreicht.

Geplant sind je nach Lage zwei bis drei Untergeschosse. Dabei soll das dritte lediglich der Versorgung dienen. Zugänglich werden also nur zwei Etagen im Untergrund sein.

 

11. März 2019: Heute ist große Bauschadenaufnahme angesagt. Es ist das zweite Mal, dass ein Team durch alle Wohnungen in der Nachbarschaft geht und dokumentiert, welche Risse sich in den vergangenen Monaten gebildet haben.

Der Grund für die Begehung ist einfach: Die Baustelle hat durch den Erdaushub jetzt ihre größte „Entlastung“ erreicht. Zwar muss noch Sand abtransportiert werden, aber parallel wird bereits in der Grube gebaut und massenweise Beton gegossen. Ab jetzt wird die Wanne nur noch schwerer.

 

14. März 2019: Und wieder wächst ein Kran aus dem Boden. Links im Bild entsteht der sechste im Tacheles-Areal. Für etwas Verwirrung sorgt nur die Zahl auf dem Stahlträger: eine 9. Hat hier jemand das Schild falsch herum angeschraubt?

Die Lösung ist einfach: Es ist der sechste von insgesamt neun Kränen, die künftig auf der Baustelle stehen werden.

 

18. März 2019: Die Farbe Gelb bestimmt zunehmend den Baugrund. Gerade ist der sechste Kran errichtet, schon wird am Fundament des siebenten Kranes gebastelt. Mal sehen, welche Nummer dieser Kran erhält.

Gerade ist der mobile Kran dabei, das erste Element in die Tiefe zu versenken. Parallel dazu verstärken die Bauleute die Bodenplatte, die rund zwei Meter dick wird.

 

20. März 2019: Frühlingsanfang. Bei strahlendem Sonnenschein haben es die Bauleute geschafft, jetzt auch die Ostseite der Baugrube bis zum Boden hinunter auszubaggern. Damit bleibt nur noch die Nordseite an der Oranienburger Straße, wo es eine Einfahrt für die LKW gibt.

Wie tief die Baugrube ist, lässt sich am kleinen weißen Zelt rechts unten erahnen. Es steht in zehn Metern Tiefe. Und die Mauer zum Nachbargrundstück, die so klein erscheint, ist 2,5 Meter hoch.

 

26. März 2019: Jetzt wird es ernst. Der letzte Wall zwischen dem Nord- und dem Südteil der Baugrube fällt. Dann ist nur noch die Zufahrt auszubaggern.

Zwei Bagger und ein Radlader arbeiten Greifer in Greifer. Denn aus der Sohle müssen Überreste eines alten Fundaments beseitigt werden. Wenn diese Brocken weg sind, ist der Durchbruch vollzogen.

 

28. März 2019: Nanu, kommen die alten Antennen wieder? Sollte nicht in diesem Monat die Umstellung des ganzen Areals auf Digitalempfang geschehen? Oder ist beim Tacheles jetzt Retro angesagt?

Nichts von allem: im Gegenteil. Hier handelt es sich um eine sogenannte Funkmessung, mit deren Hilfe festgestellt wird, ob und wie die Neubauten den Funk von Polizei und Feuerwehr stören könnten. Und bei der Masse Stahlbeton ist davon auszugehen.

 

31. März 2019: Was gibt es nicht für Witzbolde. Selbst die Fußgänger-Absperrung der Johannisstraße ist nicht sicher und wird mit einer kleinen Illustration „verziert“. Unklar bleibt wohl die Urheberschaft, denn im benachbarten Heart of Gold Hostel wechseln täglich die Gäste.

Nein, einen Eigentümerwechsel hat das Symbol nicht zu bedeuten. Trotz Hammer und Sichel am Tacheles sind weiterhin zwei Börsenhändler aus den USA die Herren auf dem Gelände: Pirelli und Weinberg. Daher auch das Kürzel pwr – Pirelli Weinberg Real Estate.

 

2. April 2019: Diesen Monat wird auf dem Tacheles-Areal bestimmt gefeiert. Die Bauleute sind in den vergangenen Wochen sehr gut vorangekommen und haben im Baufeld 1 die Tiefgeschosse fast geschafft. So kann heute die letzte der gelben, meterdicken Hydrauli-Streben angebaut werden.

Am Ende des Tages liegen nur noch die Einzelteile der einst imposanten Verstrebung in der Grube und warten auf ihren Abtransport. Monatelang haben sie das Fundament des benachbarten Gesundheitsministeriums gestützt. Jetzt drückt der eigene Tacheles-Keller alles ins rechte Lot.

 

5. April 2019: Wieder ein kleiner Meilenstein. Der Durchbruch zwischen Baufeld 4 und 5 ist geschafft. Dort stand eine komplette Mauer quer über das ganze Bauareal. Der Großteil ist zwar noch da, aber man kann jetzt auf dem Baugrund bis zur Oranienburger Straße durchgehen.

In den vergangenen Tagen hat sich der große Bagger an der Ostseite des Geländes bewegt. Die gesamte Grube ist hier nun bis zum Boden ausgehoben.

 

8. April 2019: Und wieder geht es einen Schritt weiter. Tieflader rollen in die Baugrube – beladen mit großen gelben Teilen. Hinzu kommen mobile Kräne. Was das werden soll, ist leicht zu erraten.

Was hier vorbereitet wird, ist der Aufbau des siebenten Kranes. Er wird im Baufeld 3 stehen. Das Grundelement ist ja schon errichtet und zubetoniert.

 

10. April 2019: Und er steht. Der neue Kran in der Tacheles-Baugrube ist fertig aufgebaut. Am Abend räumen die Bauarbeiter noch auf und packen ihren kleinen Mobi-Hub zusammen.

Eigenwillig ist nur die Nummerierung. Nach der Nummer 9 trägt dieser Kran die Nummer 8. Und ist doch erst der siebente in der Baugrube. Muss man das verstehen?

 

16. April 2019: Die Mauer muss weg. Das wäre doch der richtige Schlachtruf für die letzten beiden Bagger, die im Tacheles-Areal noch im Einsatz sind. Denn noch trennt eine grosse Fundamentwand die beiden künftigen Baufelder 4 und 5.

Schon unsere Vorfahren könnten tiefe Keller bauen. Davon überzeugen sich gerade die Bauarbeiter beim Tacheles. Ein Wohnhaus stand einst an dieser Stelle – und es waren mindestens zwei Tiefgeschosse, wie die gut acht Meter tiefen Fundamentüberreste zeigen.

 

19. April 2019: Karfreitag. Es ist Osterruhe in die Baugrube am Tacheles eingekehrt. Aber vor dem Feiertagen haben sich die Bauleute noch mal richtig ins Zeug gelegt. Die Mauer ist weitgehend weg!

Und auch das Basiselement für den nächsten Kran ist aufgebaut. Das wird der vorletzte der neun Kräne sein, der wohl die Nummer sieben tragen wird.

 

27. April 2019: Und wieder ist ein Stück geschafft. Der Keller an der Oranienburger Straße wächst. Und hat fast schon den Nullpunkt erreicht. Dabei wird auch am Samstag gearbeitet.

Jedes Stück Sand weniger wird schnell mit Beton aufgefüllt. In einigen Wochen wird hier nichts mehr vom Tiefbau zu sehen sein, der immerhin mehr als zehn Meter in die Tiefe ging.

 

30. April 2019: Abendstimmung am Tacheles. Ein Blick ins Baufeld 3 direkt an den Johannishöfen zeigt, dass auch hier die Arbeiten gut vorangekommen.

Im Hintergrund ist das Baufeld fünf zu sehen, direkt am Haus der Johannisstraße 12. Das wird das letzte sein, das bebaut wird. Und es ist auch der letzte große Baum, der hier noch steht. Hoffentlich überlebt die 16 Meter hohe Kastanie.