November/Dezember 2018 – Wühlen bis Weihnachten

1. November 2018: Das große Nichts dehnt sich aus. Jetzt haben die Bagger auch im Baufeld 2 direkt an der Oranienburger Straße den Grund der Baugrube erreicht. Nur noch wenige Meter trennt die Grube von der Zufahrt, über die täglich Dutzende LKW den Sand wegschaffen.

Hier direkt neben dem alten Tacheles soll ein fünfgeschossiges Bürogebäude entstehen. Aber gleich dahinter – wo jetzt das grüne Förderband steht – ist den Planungen zufolge ein kleiner Stadtplatz mit zahlreichen Bäumen vorgesehen. Im Modell sieht es sehr schön aus.

 

5. November 2018: Die graue Jahreszeit hat begonnen. Noch ist es einigermaßen hell, wenn früh um sieben Uhr die Baumaschinen mit Lärm erwachen. Aber die Sonne vermissen wir seit Tagen. Dennoch ist gut zu sehen, wie jetzt auch im Baufeld drei an den Johannishöfen die Bagger sich in die Tiefe fressen.

Interessant ist der Steg zwischen Baufeld zwei am Tacheles und Baufeld drei an den Johannishöfen, auf dem ein gelber Bagger an einem grünen Förderband steht. Direkt an der Johannisstraße – links im Bild – sind die Tiefbauarbeiten schon auf gut fünf Metern angelangt. Hochgeholt wird hier übrigens nur feinster märkischer Sand. Keine Ruinenreste mehr.

 

6. November 2018: Was ist denn hier los? Es geht schon auf Mitternacht zu und es wird immer noch gearbeitet? Nachtruhe ist offenbar ein Fremdwort.

Jetzt ist es auch möglich, bis weit nach Einbruch der Dunkelheit zu arbeiten. Denn wie gut zusehen ist, wird das Baufeld ausreichend ausgeleuchtet. Starke Scheinwerfer am Kran machen die Nacht zum Tag.

 

10. November 2018: Es ist Samstag. Eigentlich arbeitsfrei. Aber seit den frühen, frühen Morgenstunden wird fleißig gewerkelt, gehämmert und gebohrt. Irgendwas muss wohl wieder fertig werden.

Ein halbes Dutzend Leute sind damit befasst, eine gelbe Stahlkonstruktion aufzustellen. Offensichtlich ist es das erste Element für den dritten Kran.

 

14. November 2018: Zeit für einen Abschied. Monatelang hat ein kleiner grüner Kran geholfen, neue Geräte in der Baugrube aufzubauen und Baucontainer umzusetzen. Jetzt wartet er auf seinen Abtransport.

Noch bis zuletzt hat er gute Dienste geleistet, dann wurde er bis weit in die Abendstunden hinein zerlegt. Morgen werden die Einzelteile wohl abgeholt und das letzte „Grün“ verschwindet aus der Grube.

 

17. November 2018: Es ist wieder Samstag und es wird wieder in der Grube gearbeitet. Diesmal rollen hintereinander eine handvoll Betonlaster an. Offenbar soll noch vor dem angekündigten Wintereinbruch der Boden ein starkes Fundament erhalten.

Ein wenig sieht es aus wie bei Asterix und Obelix – zumindest die Bemalung der Betonmischer lässt darauf schließen.

 

21. November 2018: Immer weiter fressen sich die Bagger in die Baugrube – und sind jetzt schon im Baufeld drei angekommen. Direkt an den Johannishöfen haben sie schon fast den Grund erreicht. Höchste Zeit, mal nachzumessen.

Dick eingemummelt kontrolliert ein kleiner Messtrupp, wie der Baufortschritt aussieht. Denn mittlerweile ist mehr als die Hälfte der Grube schon ausgebaggert. Und am Abend kommen auch schon die ersten Schneeflocken des Jahres.

 

26. November 2018: Nach einem ruhigen Wochenende startet der Montag gleich früh um sieben Uhr mit Rumpeln und Poltern. Aber das waren „nur“ die Betonbrocken, die vergangene Woche ausgesiebt wurden und nun ihren Weg per LKW aus der Baugrube finden.

Doch ein zweiter Blick enthüllt: es gibt bald was neues, großes! Denn mit den Lastern ist auch ein Mobilkran gekommen, der an gelben Teilen steht, die mal ein Kran werden wollen. Wir werden sehen.

 

27. November 2018: So schnell geht es. Nun steht auch der dritte Kran in der Baugrube. Nicht einmal einen Tag hat der Aufbau gedauert.

Man muss schon gut durchzählen oder genau in den Hintergrund schauen, um an so einem grauen November-Tag alle drei Kräne zu sehen. Aber abends erleuchten sie schön die Baustelle.

 

30. November 2018: Irgendwie hinkt alles etwas dem Zeitplan hinterher. Anders ist es kaum zu erklären, warum früh um halb sieben bis abends nach acht Uhr die Maschinen in der Baugrube rattern – so wie hier im Bild.

Eigentlich unverständlich: Denn gut zu sehen ist, dass im Baufeld eins bereits das unterste Geschoss steht und mittlerweile auch im Baufeld zwei das Tiefgeschoss Form annimmt. Doch vielleicht soll der Boden fertig gegossen werden, bevor die Temperatur unter Null sinkt.

 

3. Dezember 2018: Was taucht denn da auf? Am Boden des Baufeldes 3 sind immer mehr rostige Stahlteile zu sehen. Wurden sie ausgebuddelt? Oder warum werden sie nicht beseitigt?

Irgendwie ist es mysteriös: Diese Stahlteile scheinen sich zu vermehren. Und die Bagger beseitigen nur den Sand ringsum. Mal sehen, wie lange sich dieses Kunstwerk mit den fast zwei Meter hohen Stelen hält.

 

8. Dezember 2018: Was tief hinuntergeht, kommt langsam wieder nach oben. Im Baufeld 1 an der Friedrichstraße ist es gut zu sehen. Das dritte Untergeschoss steht und die Baucontainer sind jetzt auf Ebene -2 aufgestellt.

Lange dauert es nicht mehr, bis die großen gelben Hydraulikstützen wieder abgebaut werden müssen. Aber sie haben offensichtlich ihren Dienst getan: das Gesundheitsministerium steht noch.

 

12. Dezember 2018: Wer hoch hinaus will, muss tief buddeln. Diese alte Weisheit bestätigt sich am Tacheles. Wie tief, das erschließt sich gerade an dem großen Gerüst, das am Fundament des einstigen Kunsthauses aufgebaut wird.

Insgesamt mehr als zehn Meter tief wurde die Grube ausgehoben, bevor in den vergangenen Wochen – bis in die Nächte hinein – der Boden mit Eisengittern verstärkt, dann neu gegossen, planiert und poliert wurde. Erst danach geht es los mit dem künftig dritten Untergeschoss.

 

18. Dezember 2018: Auflösung des Roststahl-Rätsels. Es sind keine alten Wasserrohre, sondern Teile der Baustellensicherung. Seit dem Morgen werden sie mit den Fundamenten im Boden der Baugrube verschweißt.

Etwas irritiert hatte die Farbe. Denn die Hydraulik-Stützen im Baufeld 1 an der Friedrichstraße haben ein leuchtendes Gelb. Na, vielleicht war der gelbe Nachschub alle…

 

20. Dezember 2018: Es ist der zweitkürzeste Tag des Jahres. Und um die Mittagszeit kommt ein rbb-Team zur Baustelle am Tacheles. Solange es noch hell ist, soll ein Beitrag für die Abendschau über dieses Millionenprojekt entstehen.

Den besten Blick auf oder besser in die Baugrube gibt es von oben. So steigt Anchorman Ulli Zelle aufs Dach. Sein Kameramann klettert sogar noch etwas höher. Das will der Arbeitsschutz lieber nicht wissen. Aber nur so entstehen gute Geschichten. Ausstrahlung am Weihnachtsabend!

 

27. Dezember 2018: Einen letzten Blick in die Baugrube für dieses Jahr, wo seit Weihnachten Ruhe herrscht. Das Soll ist offenbar geschafft. Nur ein paar Techniker sind mit ihrem weißem Kastenwagen heute noch mal in das Areal gefahren. Da musste noch ein Bagger repariert werden.

Mach’s gut, altes Jahr. Es war viel zu tun. Und es ging nicht immer leise ab. Aber nun ist immerhin mehr als die Hälfte der Baugrube schon ausgebuddelt, wie man auf dem Panorama gut sieht. Und: An einigen Stellen geht es ja schon wieder kräftig aufwärts. 2019 wird bestimmt der Null-Punkt erreicht!