Die teuerste Garderobe der Welt

Endlich steht sie: die James-Simon-Galerie. Künftig wird der weiße Beton-Riegel die vier Museen auf der Museumsinsel ober- und unterirdisch verbinden. Sechs Jahre länger als geplant hat der Bau an der Spree gedauert und eine Kostensteigerung in zweistelliger Höhe von 71 auf 134 Millionen Euro erlebt. Aber es hat sich gelohnt.

Die Galerie befindet sich an jener Stelle, wo einst Karl Friedrich Schinkel am Kupfergraben den neuen Packhof baute. Entworfen hat die neue Galerie nun der Star-Architekt David Chipperfield. Er hat die alte Architektur mit den Kolonnaden des Neuen Museums und die Freitreppe des Alten Museums aufgenommen und etwas harmonisch Neues gestaltet.

 

Vor seiner Eröffnung wurde der Bau schon mal als „teuerste Garderobe der Welt“ verspottet. Aber wer hineinschaut, wird dem nicht zustimmen. Der dreistöckige Bau aus klarem Waschbeton ist nicht einfach funktional, sondern gelungen. Davon konnten sich allein am Eröffnungs-Tag 26.000 Besucher überzeugen.

Namensgeber ist James Simon, Ende des 19. Jahrhunderts einer der reichsten Männer Berlins. Mit 24 Jahren rückte er zum Co-Chef des Textil-Unternehmens „Gebrüder Simon“ auf und konnte sich so seiner großen Leidenschaft widmen – der Archäologie. 1904 vermachte er den Berliner Museen seine erste Schenkung.

 

Das berühmteste Stück aus der Sammlung Simon ist zweifellos die Büste der Nofretete, die als „Mona Lisa der Berliner Museen“ gilt. Sie wurde 1912 bei Grabungen in Ägypten in der früheren Hauptstadt Amarna gefunden. Für Simon war klar: Nofretete, nach 3.000 Jahren im Wüstensand immer noch farbenprächtig und sehr apart, muss eine Berlinerin werden.

Nur 47 Zentimeter hoch ist die Büste der Nofretete, die bis heute Rätsel aufgibt. Sicher ist nur eines: Sie war die Hauptgemahlin von König Echnaton, der zwischen 1353 und 1336 v.Chr. in Ägypten eine Ein-Gott-Religion einführte. Aber wo liegt sie begraben?

 

James Simon war ein Kunst-Mäzen, der 1898 zu den Mitbegründern der Deutsche Orient-Gesellschaft gehörte. Der damalige Museums-Direktor Wilhelm Bode schrieb über den Sammler Simon, der nur „höherwertige Objekte“ begehrte: „Er ist ein sehr braver Mann und ein Unikum in Berlin… aber der Kunst steht er völlig fern.“ Gut, dass sich auch große Männer irren können.

andre
Gebürtiger und überzeugter Berliner - als Journalist mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Denn es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und unheimlich bunt anzuschauen. Kurzum: für mich ist es einfach die schönste Stadt...

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