Eine Spende für die Ewigkeit

In Berlins Mitte entsteht ein Schloss. Es ist wohl der erste derartige Neubau in der Geschichte, der von einem frei gewählten Parlament beschlossen wurde. Und der durch Millionenspenden der Bürger mitgetragen wird. Schon bald wird das Hohenzollern-Schloss wieder im alten Glanz erstrahlen und das Ende des Boulevards Unter den Linden markieren.

Am Anfang stand ein Traum: Der Hamburger Kaufmann Wilhelm von Boddien wollte Berlin seine Mitte wiedergeben. Also das Schloss, auf das sich alle Karten als Mittelpunkt der Stadt beziehen. 1992 starte er dafür mit einer Schlossatrappe. Aber erst 2002 beschloss der Bundestag den Wiederaufbau.

 

Mittlerweile steht der Rohbau und die Schlossfassade ist hin zum Lustgarten fertig gestellt. Frei von Baugerüsten kommt gerade in den Abendstunden die ganze Schönheit des von Schlüter entworfenen Gebäudes zur Geltung. Und das beste daran: jeder kann sich am Wiederaufbau beteiligen und sozusagen für die Ewigkeit spenden. Denn im Bundestagsbeschluss war die Fassade finanziell nicht mit drin.

Jeder Spender darf sich „sein“ Teil der Fassade aussuchen. Und was bietet sich für einen Berliner mehr an als ein Teil jenes Balkons, auf dem Karl Liebknecht 1919 die Republik ausrief. Wir nehmen zu unsrem 19. die allegorischen Figuren über dem Balkon, genauer gesagt den Engel mit Posaune gleich neben dem Preussen-Adler.

 

Mittlerweile hat der Förderverein um Boddien schon 93 Millionen Euro an Spendengeldern eingesammelt. Ein riesiger Erfolg, sollten es doch ursprünglich „nur“ 80 Millionen Euro werden. Aber wegen der geschichtsgetreuen Rekonstruktion sind die Kosten für die Fassade inzwischen auf 105 Millionen Euro gestiegen.

In natura sieht alles noch viel schöner aus. Denn unterdessen leuchtet die Fassade des Schlosses und man sieht, was man gespendet hat. Und kann es allen Besuchern vom Lustgarten aus zeigen. Wie es später auch die Enkel stolz tun können – eben eine „Spende für die Ewigkeit“.

 

Übrigens stand der schöne Neptunbrunnen, der heute am Fernsehturm seinen Platz hat, ursprünglich mal vorm Schloss. Vielleicht kehrt er ja an seinen angestammten Platz zurück. Aber erst wenn die Königlichen Gartenterrassen mit ihrem reichen Skulpturenschmuck wieder hergestellt sind, wird die Rekonstruktion des Schlosses wohl wirklich abgeschlossen sein. Gern geben wir dafür noch einmal eine Spende.

andre
Gebürtiger und überzeugter Berliner - als Journalist mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Denn es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und unheimlich bunt anzuschauen. Kurzum: für mich ist es einfach die schönste Stadt...

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