Flughafen Tegel ist jetzt ein Denkmal

Nein, es ist kein Aprilscherz: der Flughafen Berlin Tegel (TXL) ist jetzt offiziell ein Denkmal. Der Landeskonservator Christoph Rauhut hat den letzten funktionierenden innerstädtischen Airport noch vor seinem Betriebsende auf die Denkmalliste gesetzt. Aber keine Angst: eine Auswirkung auf den Flugbetrieb hat es nicht.

Angefangen hat alles mit einem Architektenwettbewerb 1965. Dabei ging es schlicht darum, in der geteilten Stadt nach Tempelhof einen neuen, modernen Airport zu bauen. Ein junges Trio schlug eine Sechseck-Lösung vor. Bei Kapazitätsengpässen hätte der ersten Teil verdoppelt werden können – es hätte nur eines Zentralbereichs für beide Gebäude bedurft. Leider kam es anders.

 

Entworfen wurde der „Flughafen der kurzen Wege“ von Meinhard von Gerkan zusammen mit Volkwin Marg und Klaus Nickels. Das markante Sechseck, wo es von der Straßenzufahrt bis zur Abfertigung gerade mal 15 Meter sind, galt in den 1960er Jahren als kleine Revolution. Heute ist die Fingerlösung an allen größeren Flughäfen der Welt zu finden. Aber zunächst muss in der Regel erst einmal eine Shoppingmall durchquert werden.

Zentraler Punkt des Flughafens ist das Terminal A mit einer Außenlänge von 620 Metern und seinen 14 Fluggastbrücken. Da legt auch gern mal ein moderner Airbus A320 in alter, traditioneller Lufthansa-Bemalung an. Da staunen selbst altgediente Bodenabfertiger. Alle anderen Parkpositionen in TXL müssen per Bus erreicht werden.

 

Unter Denkmalschutz gestellt wurde nicht nur Tegel Süd mit der offiziellen Bezeichnung „Otto Lilienthal“, sondern auch Tegel Nord. Hier befand sich früher der „Französisch-Amerikanische Militärflughafen“. Heute wird dieser Bereich von der Flugbereitschaft der Bundeswehr für zivile Flüge genutzt.

Er gilt als geheimer Flughafen Deutschlands – und ist doch durch ein Wohngebiet der ehemaligen französischen Alliierten erreichbar: der militärische Teil des Flughafens Tegel. Nur dass hier keine Abfangjäger starten, sondern Bundeskanzlerin Angela Merkel startet oder Staatsgäste landen. So schlicht, wie das Gebäude von außen aussieht, ist es auch von innen. Lediglich der kleine VIP-Bereich ist mit ein paar Ledersesseln ausgestattet.

 

Übrigens: Die beste Sicht auf startende oder landende Flugzeuge in Tegel hat man von der obersten Parkplattform des Einkaufszentrum Der Clou. Mit Brötchen und heißem Kaffee im Erdgeschoss.

andre
Gebürtiger und überzeugter Berliner - als Journalist mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Denn es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und unheimlich bunt anzuschauen. Kurzum: für mich ist es einfach die schönste Stadt...

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