Der Kreis schließt sich

Er ist am „Sehnsuchtsort“ seiner Studienzeit angekommen: Jürgen Böttcher alias Strawalde. Mit einer großen Einzel-Ausstellung im Schloss Sacrow bei Potsdam ehrt der Verein Ars Sacrow den Maler und Dokumentarfilmer, der in diesem Jahr 87 Jahre alt geworden ist.

Zum Abschluss der mehrmonatigen Ausstellung ist Strawalde selbst noch einmal nach Sacrow gekommen. Zusammen mit seinem Sohn läuft er an einem der schönsten Bilder der Ausstellung vorbei. Erst in späteren Lebensjahren hat der Künstler das Großformat entdeckt.

 

Ende der 1950er Jahre studierte Strawalde in Babelsberg an der dortigen Filmhochschule. Sacrow war damals Sperrgebiet, lag das landschaftlich wunderbare Ensemble doch direkt an der Grenze zu West-Berlin. Von seinem Studenten-Zimmer in Babelsberg konnte er das damals unerreichbare Gebiet sehen.

Mehr als 4.000 Besucher zählte das kleine Museum in Sacrow, was einem kleinen Rekord entspricht. Und der Name der Ausstellung ist Programm: Der Kreis schließt sich. Da, wo er einst als Student gern sein wollte, aber nicht hin durfte, hängen heute seine Bilder. Das macht Strawalde am letzten Tag der Ausstellung am 7. Oktober klar – ausgerechnet an jenem Tag, an dem die DDR vor Jahrzenten immer ihren Geburtstag feierte.

 

Lange hat es gedauert, bis Strawalde anerkannt wurde. Denn nicht nur seine unangepasste Malkunst fand bei der DDR-Nomenklatura kaum Freunde, auch seine – heute als Zeitdokumente unersetzlichen – Dokumentar-Filme waren damals kaum vermittelbar. Dabei hat er mit einem geübten Auge nur auf die Realität geschaut, um so unzulängliche Realitäten zu verändern.

Eines zeigen seine Bilder aber immer deutlich: Strawalde liebte die Frauen. Meist farbenfroh stellt er sie übergroß und manchmal auch übermächtig dar. Und was für ein Einfühlungsvermögen…

 

Nein, Strawalde ist nicht immer einfach. Er mag keinen gelackten Wandschmuck. Nur einfach den reinen Klang der Farbe oder des Elements. Oder einfach nur einen schönen Wort-Klang. Und so heißt eines seiner Epigramme: „Die Muse küsst nie, wen sie küssen soll. Sondern immer nur, den sie will. (Der Willi fand das toll)“. Da fragt sich der geneigte Betrachter: Wer ist Willi?

andre
Gebürtiger und überzeugter Berliner - als Journalist mit einem ausgeprägtem Hang zum Schreiben über diese Stadt, meinen Kiez und den Erdenkreis. Denn es muss ja nicht immer Paris, Rom oder Moskau sein. Auch Berlin ist reich an unentdeckten Ecken, ständig in Bewegung und unheimlich bunt anzuschauen. Kurzum: für mich ist es einfach die schönste Stadt...

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